Donnerstag, 10. September 2015

[Rezension] [Manga] Mikiko Ponczeck: Crash'n'Burn


Crash'n'Burn (Bd. 1 & 2)

Autor: Mikiko Ponczeck
Kategorie: Manga
Genre: Boys Love, Slice of Life
Freigabe: ab 16+
Erschienen: August 2014
Bände: 2/2 (abgeschlossen)
Seiten: je 168
Verlag: Tokyopop
ISBN1: 978-3-8420-0523-5
ISBN2: 978-3-8420-0524-2
Preis: 6,95€

Rating: ♥♥♥♥♥



Klappentext

Weil ich es hasse, dich zu lieben ... Kyle und Tyler scheinen nur zwei Dinge gemeinsam zu haben: Beide sind begeisterte Musiker und beide gelten als Hitzköpfe, die kaum zu Kompromissen bereit sind. So droht ihre Zusammenarbeit in einer Band unweigerlich im Streit zu enden. Doch manchmal kommen die Dinge auch ganz anders und schon bald brennt die Leidenschaft der beiden nicht mehr nur für die Musik ... 

Inhalt

"Gleich das erste Treffen zwischen Kyle und Tyler endet in einer Schlägerei. Immer, wenn sich die beiden von da an begegnen, fliegen die Funken. Dabei teilen sie zumindest eine Leidenschaft, und zwar die zur Musik. Als Kyle plötzlich in Tylers Band spielen soll, hält er das zunächst für einen schlechten Scherz. Doch nach und nach merkt er, dass mehr hinter dem aufbrausenden Rocker steckt und sie doch viel mehr gemeinsam haben als gedacht." - Quelle: Verlag

Cover ♥♥♥♥♥

Das Cover des ersten Bands hat mich sofort begeistert! Wie oft sieht man in der Welt der Manga einen Protagonisten mit Irokesen-Schnitt, Tattoos, Tunnels und Narbe am Kinn? Wie oft hat so einer dann auch noch einen Gegenspieler mit Zigarette, Halsband und selbstbewusstem Blick? Das Ganze vor dem Hintergrund einer mit Graffiti verschmierten Wand kam mir schlicht, aber passend vor. Allerdings vielleicht sogar etwas zu schlicht, denn hätte eine Freundin von mir mich nicht auf den Manga in der Auslage aufmerksam gemacht, hätte ich ihn wohl niemals gefunden.

Charaktere ♥♥♥♥♥

Tyler Collins: Er ist genau das, was man erwartet, wenn man ihn auf dem Cover das erste Mal erblickt... und sogar noch ein bisschen mehr: Der harte Kerl, der es sich in seinem Leben mit so gut wie jedem um sich herum verscherzt, und der mehr Schwierigkeiten als Freude am Leben hat. Seit seiner Kindheit hatte er es nie leicht, denn Alkohol, Gewalt und Unverständnis begleiteten ihn jeden Tag. Zu Beginn wirkt er gerade deshalb eher wie einer dieser unnahbaren Schlägertypen, denen mit Vernunft einfach nicht beizukommen ist, als wie ein wirklich ernst zu nehmender Charakter. Das ändert sich schlagartig, als Kyle ihn eines Abends betrunken an einer Bar antrifft und Tyler das erste Mal einen Einblick in seine Gefühlswelt gewährt. Er ist nämlich nicht halb so hart und gefühlskalt, wie er alle immer glauben machen will: Es gibt durchaus Dinge - wie zum Beispiel die Musik und seine eigene Band -, die ihm wichtig sind, für die er Liebe empfindet und für die er alles tun würde. Dass Kyle auch bald zu diesen Dingen zählen würde, hätte sich bestimmt keiner der beiden jemals träumen lassen...

Kyle Martin: Sein großer Traum ist es, mit seiner Musik ganz groß rauszukommen. Obwohl er schon 24 Jahre alt ist, wohnt er noch immer bei seiner Mutter zuhause und die hat für ihn natürlich ganz andere, viel bodenständigere Pläne: Er soll sein Jurastudium beenden und als angesehener Anwalt sein zukünftiges Leben in die Hand nehmen. Doch wenn es darum geht, seinen Kopf durchzusetzen, sind sich Kyle und Tyler ganz besonders ähnlich - was dazu führt, dass sie sich, trotz ihrer steigenden Zuneigung zueinander, ständig in den Haare liegen. Kyle ist dickköpfig und dominant und lässt sich schon allein deswegen nicht lange zuhause fesseln. Zusammen mit Tyler, seinem Freund Scott und der hübschen Kimi gründet er die Rockband Crash'n'Burn, in die er schon bald mehr Elan und Herzblut steckt, als er für sein Studium jemals übrig gehabt hätte. Und Tylers Anwesenheit im Proberaum ist seinem Enthusiasmus sicherlich nicht abträglich!

Zeichenstil ♥♥♥♥♥

Ich muss zugeben, ich habe ein Vorurteil gegenüber deutschen Mangaka. Wenn man, wie ich, den japanischen Stil gewöhnt ist, dann fallen die deutschen Zeichnungen meistens einfach vollkommen aus dem Rahmen und haben mehr von europäischem Comic, als japanischem Manga. Erst durch Mikiko Ponczeck habe ich gelernt, dass die deutschen Mangaka alles andere als zu unterschätzen sind! Ihr Zeichenstil ist simpel gehalten und doch detailliert, die Outlines sind klar, die Rasterfolien sind sparsam eingesetzt. Sie hält sich nicht lange mit unnötigen Details auf, die das Bild überladen könnten und die schlichten Hintergründe sind präzise genug, um dem Leser die Atmosphäre der Umgebung deutlich zu machen. Und - seien wir doch mal ehrlich - Tyler und Kyle sehen beide einfach zum Anbeißen aus! Ob die Ähnlichkeit der einzigen wichtigen weiblichen Rolle, Kimi, zu der Zeichnerin gewollt ist, bleibt reine Spekulation - fest steht: das Charakterdesign ist wirklich herrlich!

Handlung ♥♥♥♥♥

Leider viel zu kurz. Das ist auch das Einzige, was ich an der Handlung zu bemängeln habe. Ansonsten kann ich eigentlich nur Gutes sagen. Die beiden Protagonisten haben einen sehr schlechten Start miteinander, springen sich bei jeden nur möglichen Gelegenheit an die Kehle und landen schließlich ... in einem Bett. Kaum hatten sie das erste Mal Sex miteinander, scheint sich ihre aggressive Haltung zueinander regelmäßig in sexuellen Handlungen zu entladen. Versteht mich hier allerdings nicht falsch: Sex ist hier nicht das Hauptthema des Mangas, sondern lediglich ein wichtiger Bestandteil, der zur Festigung und Charakterisierung ihrer Beziehung zueinander dient. Die Darstellungen sind kurz gehalten und nicht allzu detailliert (also gerade richtig für 16+), laden aber dazu ein, die Fantasie spielen zu lassen. Doch die beiden Protagonisten verbindet mehr als nur ihre gegenseitige Abneigung - sie verbindet die Liebe zur Musik. Als sich Kyles Band vor der Auflösung steht und Tyler hochkant aus seiner rausfliegt, haben sie beide plötzlich das selbe Ziel: Sie wollen nicht aufhören Musik zu machen. Und obwohl sie sich wirklich nicht leiden können, gründen sie gemeinsam mit Scott und Kimi die Band Crash'n'Burn, um sich vor denen zu beweisen, die an ihnen gezweifelt haben. Doch der Weg nach oben ist steinig und als sich Tyler dann noch mit einem der größten Kriminellen der Stadt anlegt, scheint Crash'n'Burn endgültig dem Untergang geweiht.

Gesamtwertung ♥♥♥♥♥

Als mir eine Freundin Crash'n'Burn erstmals ans Herz legte, habe ich mich zuerst aus den oben genannten Gründen sehr lange davor gedrückt. Auf der AnimagiC 2015 bekam ich dann die Ehre, Mikiko Ponczeck das erste Mal persönlich zu begegnen und so kam es, dass ich ihrem Manga eine Chance gab. Und ich muss sagen: Ich bin begeistert! Sie schafft es mühelos, die bisherigen Konventionen des Boys Love Genres zu durchbrechen und eine einzigartige Geschichte zu schaffen, die es so noch nie gegeben hat - Zwei dominante Rocker-Persönlichkeiten, aus deren Hass mit der Zeit Liebe entspringt. Die Entscheidungen der Protagonisten sind immer klar nachvollziehbar und realistisch, die Charaktere verhalten sich ihrem Charakter entsprechend und die Handlung umfasst auch durchaus ernst zu nehmende Themen, wie beispielsweise häusliche Gewalt. Hier ist nichts zu spüren vom typischen "der Eine muss dem Anderen untergeordnet sein"-Geplänkel, das in japanischen Gegenstücken nicht nur Konvention, sondern die Regel ist. In Crash'n'Burn versuchen sich zwei Dickköpfe zuerst gegeneinander und schließlich gegen die Musikszene zu behaupten - und dabei machen sie durchaus eine gute Figur!


Weitere Bände


(erschienen: Oktober 2014)




Spannung
♥♥♥♥

Romantik
♥♥

Humor
♥♥♥

Gewalt
♥♥♥♥

Action
♥♥♥



- Eure Bücherfüchsin