Mittwoch, 23. September 2015

[Rezension] Julia Adrian: Die Dreizehnte Fee - Erwachen

Die Dreizehnte Fee: Erwachen

Autor: Julia Adrian
Genre: Romantik, Mythen & Legenden, Fantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 14.04.2014
Seiten: 135
Einband: eBook
Verlag: neobooks Self-Publishing 
ISBN: 978-3-7380-2320-6
Preis: 1,49€

Rating: 


Dieses Buch erscheint am 28. September im Drachenmondverlag als Printausgabe! HIER

Inhalt

"Ich bin nicht Schneewittchen. Ich bin die böse Königin. Für tausend Jahre schlief die Dreizehnte Fee den Dornröschenschlaf, jetzt ist sie wach und sinnt auf Rache. Eine tödliche Jagd beginnt, die nur einer überleben kann. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Hexenjäger erkundet sie eine Welt, die ihr fremd geworden ist. Und sie lernt, dass es mehr gibt als den Wunsch nach Vergeltung. »Kennst du das Märchen von Hänsel und Gretel?«, frage ich flüsternd. Er braucht mir nicht zu antworten, er weiß, dass nicht alle Märchen wahr sind. Nicht ganz zumindest. Es gibt keine Happy Ends, es gab sie nie. Für keine von uns." - Quelle: Verlag

Cover  

Seien wir doch mal ehrlich: das Cover ist einfach wunderschön! Mit seinem dunkel-matt blauen Hintergrund, auf dem goldene Ornamente den Titel einschließen, als sei er ein besonders edles und bewahrenswertes Gemälde, wirkt selbst das eBook so edel, dass man es am liebsten einrahmen lassen würde. Der zarte Schattenschlag und die Rosenblätter, die das märchenhafte Cover umrahmen, sind geradezu die Vorboten der romantisch-düsteren Geschichte, die uns erwartet, sobald wir das Buch aufschlagen. Wirklich, ich könnte mir nichts schöneres vorstellen, als dieses Kunstwerk als Hardcover in meinen Händen zu halten und die Ornamente mit meinen Fingern nachzufahren, als gäbe es nichts wertvolleres auf der Welt - aber ich gerate ins Schwärmen! Leider erscheint das Buch (erstmal) als Taschenbuch, aber meine Vorbestellung für die Printversion ist definitiv schon raus. 

Charaktere  

Lilith: Ihren Namen erfährt man tatsächlich erst sehr spät im Buch, da es aus ihrer Ich-Perspektive heraus geschrieben wurde. Von Anfang an - und daran ist sicherlich auch Julia Adrians atemberaubender Schreibstil schuld - habe ich mich in diese Hauptperson verliebt. Als ehemalige Schöpferin und Königin einer Welt voller märchenhafter Kreaturen soll sie als grausame Herrscherin ihr Dasein gefristet haben. Sie ist die 13. Fee, die größte und mächtigste aller Hexen ... gewesen. Denn ihre Schwestern haben ihr eine schreckliche Falle gestellt, der Lilith, die sich nach nichts mehr sehnt, als der Liebe, in einen 1000-jährigen Dornröschenschlaf fallen ließ. Dieser Fluch kann nur durch den Kuss der wahren Liebe gebrochen werden. Als sie schließlich von dem ihr bestimmten Prinzen wach geküsst wird, ist sie eine vollkommen andere Person. Es ist, als würde die grausige Königin in ihr noch immer schlafen, während ihr unschuldiges, menschliches Ich die Kontrolle übernimmt. Sie ist ein zarter Charakter mit vielen Facetten, stark und schwach gleichermaßen, verzweifelt auf der Suche nach der wahren Liebe. Und dann gerät sie in die Fänge eines Hexenjägers, der sie dazu benutzen will, ihre Schwestern, die restlichen 12 Hexen, zu vernichten. Und Lilith erfährt so gleichermaßen das Glück zu lieben, doch auch das Unglück der unerwiderten Liebe. Es ist spannend zu lesen, wie eine ehemals grausame Hexe die Welt nun mit den Augen eines Menschen betrachtet und versucht, in ihr zurecht zu kommen. Julia Adrian hat es geschafft, dass ich mich voll und ganz mit ihr als Hauptfigur identifiziere, obwohl ich niemals an ihre Stelle treten könnte. Lilith ist mir ans Herz gewachsen und sicherlich wäre ich gern auch ein wenig wie sie. 

Hexenjäger: Sein Name bleibt Leser und Protagonistin gleichermaßen verborgen. Als Lilith ihn danach fragt, reagiert er ausweichend damit, dass Namen eine besondere Macht haben und es unklug wäre, ihn einer so mächtigen Hexe zu verraten. Aus irgendeinem Grund begleitet er den Prinzen, der Lilith letztlich aus ihrem Traum befreit, in den Turm hinauf und sobald er seine Profession enthüllt - nämlich die Hexenjagd - wird auch klar, warum. Die 13. Fee ist die einzige, die in der Lage ist, die anderen 12. grausamen Magierinnen zu vernichten, die in den letzten 1000 Jahren nur Unheil über die Menschen gebracht haben. Denn Lilith ist ihre Königin. Mit dem steten Versprechen auf den Lippen, dass er sie auch eines Tages umbringen wird, wenn die Zeit gekommen ist, nimmt er sie mit sich - als seine Gefangene. Doch er hätte wohl niemals gedacht, dass ihr entzückendes Wesen ihn irgendwie berühren könnte - und das tut es. Zwar verfällt er ihr niemals vollständig, er fasst sie nicht mit Samthandschuhen an und behandelt sie stets wie seine Gefangene, doch immer wieder bröckelt seine Maske und man erkennt die Zuneigung für Lilith dahinter wachsen. Immer wieder nähert er sich ihr körperlich an, schläft mit ihr, um sie dann wieder so grob zu behandeln wie zuvor. Er ist schließlich ein Hexenjäger und sie ... eine Hexe. Sein stures, manchmal gewalttätiges, manchmal liebevolles Verhalten hat mich vollends entzückt, denn er ist dabei niemals der strahlende Held, den der Leser in ihm erwartet. Er ist einfach ein Mann, der seiner Bestimmung nachgeht ... und irgendwo Liebe für seinen schlimmsten Feind empfindet. Ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen!

Schreibstil  

Ich habe in meinem Leben nun schon so viel gelesen - in den letzten Jahren natürlich hauptsächlich Werke der Weltliteratur - und ich muss sagen: Eine Sprache wie die von Julia Adrian ist mir noch nie begegnet. Obwohl es sich hier ganz offenkundig um ein Jugendbuch handelt, erinnert ihre Art zu schreiben viel mehr an Märchen ... oder sogar höhere Literatur. Sie versteht es, an den richtigen Stellen mehr und an anderen weniger zu beschreiben, um so dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich ihre Welt selbst vorzustellen. Ihre Charaktere sind mysteriös und zum Teil angsteinflößend, Liliths verträumte Gedanken zu jeder Zeit nachvollziehbar. Für mich fühlte es sich an, als befände ich mich in einem interaktiven Gemälde, und Julia Adrian ist die Künstlerin, die mich mit ihren traumhaften Farben antreibt. An manchen Stellen wird sie sogar ungeahnt düster, sodass ich mich gar nicht gegen die aufkommende Gänsehaut wehren konnte, die sie hinterlässt. Ich habe Die Dreizehnte Fee verschlungen, einfach um den tollen Klang ihrer Sprache nicht missen zu müssen. Da ging es mir ähnlich wie bei Murakami: Ich wollte mich einfach weiter von der Welle ihrer Wortgewandtheit dahintreiben lassen. Einfach wahnsinnig gut! Wer mir nicht glaubt: besorgt euch die Leseprobe!

Handlung  

Bevor ich das Buch angefangen habe, habe ich mich bei den Kritiken anderer schlau gelesen und war nicht schlecht verwundert, als jemand hier eine schlechte Bewertung für zu schnelles Vorantreiben der Story gab. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Die Handlung von Die Dreizehnte Fee erinnert mich an eine - zugegebenermaßen - rasante Achterbahnfahrt: An manchen Stellen bremst der Wagen sehr stark ab, um sich langsam auf den nächsten Höhepunkt, die nächste steile Abfahrt, vorzubereiten und dem Fahrenden Zeit zu geben durchzuatmen. Diese Stellen sind im Buch durch die Rasten gekennzeichnet, die die beiden Protagonisten auf ihrer Reise durch das Land nehmen. Hier wird die Erzählung langsamer, die Charaktere nähern sich an, genießen ihre Pause von der Gefahr und Anspannung - nur, um dann im nächsten Moment einer der anderen 12 Hexen in epischem Kampf gegenüberzustehen. Ich habe diese Abwechslung zwischen rasanter und ruhiger Handlung sehr genossen und war stets gespannt, wie es weitergeht. Ich konnte gar nicht genug haben. Anders als beispielsweise bei Der Name des Windes hat man sich hier nie zu lange mit unnötigen Details aufgehalten. Absolut Top! Ein Genuss für jeden, der Fantasy und Romantik mag. 

Gesamtwertung 

Mir fällt nichts ein, was ich an Die Dreizehnte Fee auszusetzen haben könnte. Ich habe wirklich versucht, zumindest einen Kritikpunkt zu finden, damit man mich nicht für ein nicht ernst zu nehmendes Fangirl hält, aber ich mir ist einfach nichts eingefallen. Für mich persönlich habe ich in diesem Buch die absolut perfekte Mischung gefunden: verträumt, düster, spannend, mystisch und romantisch, ohne dabei übertrieben kitschig oder unglaubwürdig zu werden. Es hat alles, was ein - für mich - gutes Buch braucht, um mich stundenlang zu fesseln und nach dem nächsten Band japsen zu lassen. Ich will mehr davon! Und ich bin so gespannt auf den zweiten Teil, der übrigens im Oktober diesen Jahres erscheint, dass ich kurz davor bin das Buch gleich nochmal zu lesen. Ich kann es wirklich jedem ans Herz legen - besonders denjenigen, die sich schon immer für Märchen und Sagen interessiert haben. Ihr werdet hier nicht enttäuscht werden!





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- Eure Bücherfüchsin