Donnerstag, 17. Dezember 2015

[Rezension] Olivia LaFey: Herzprickeln

Herzprickeln

Autor: Olivia LaFey
Genre: Erotik, Romantik, Slice of Life
Erschienen: 15.12.2015
Seiten: 151
Einband: eBook (auch als Taschenbuch)
Verlag: /
ASIN: B019E4FWBE
Preis: 0,99€ 

Rating: 


Inhalt

"Ausgerechnet Womanizer Alessandro wird Anatomie-Praktikumspartner von Einserkandidatin Lana. Das Thema: Sex. Natürlich ist Alessandro Feuer und Flamme, während die ehemalige Ballerina Lana weder dem heißen Thema noch ihrem nicht weniger heißen Partner etwas abgewinnen kann. Auf der Suche nach geeigneten «Darstellern» für das gewagte Projekt schlittern die beiden durch diverse Rotlicht-Etablissements – Mit verheerenden Folgen. Denn auf einmal wird aus Projekt Sex Projekt Herzprickeln. Aber was verbirgt sich hinter Alessandros anziehender Frauenheldfassade, die urplötzlich bröckelt, als Lana bedrohliche Nachrichten erhält? Ist er doch der Badboy in dem perfiden Spiel, das ein Unbekannter treibt? Lana muss handeln - Und gerät in einen verwirrenden Strudel aus Angst, blindem Verlangen und einem anderen, zarteren Gefühl, das laut Projektkonzept überhaupt nicht vorgesehen war. Ein prickelnd frischer Lesespaß mit einem ordentlichen Schuss Spannung." - Quelle: Amazon


Cover  

Lange, lange habe ich gespannt auf das Cover zu Herzprickeln gewartet und habe gehofft, dass es so ungefähr dem entspricht, was ich mir beim Lesen die ganze Zeit vorgestellt habe - und es wurde sogar noch viel besser! Ich liebe, liebe, liebe das Cover! Das helle, in grau gehaltene Hauptmotiv mit den blutroten Lippen, das Stethoskop über der Schulter, passend zu den medizinischen Themen, die das Setting ausmachen, der verschmitzte Finger, der ein kleines, erotisches Geheimnis verspricht und der Name der Autorin hübsch dezent als Tattoo auf der Schulter der Dame, die Svetlana sein könnte. Gefällt mir gut! Vor allem, da ich ständig ihre Lippen anstarren muss - sie laden wirklich dazu ein. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Schriftart des Titels. Die Farbe passt ganz wunderbar, aber die Herzchen in den dicken, verspielten Buchstaben sind mir ein kleines bisschen too much. Trotzdem ein herrlich passendes Cover!

Charaktere  

Svetlana: Ich fand Svetlana einfach wunderbar. Sie ist herrlich verklemmt, hat aus irgendeinem Grund schreckliche Schwierigkeiten damit, sich anderen, besonders Männern, zu öffnen und ja ... bekommt - und das obwohl sie Medizin studiert - die einfachsten Begriffe der Sexualkunde nicht über die Lippen. Natürlich ist sie damit das gefundene Fressen für alle um sie herum, die damit ihre Spielchen treiben; allen voran Alessandro. Lanas Entwicklung im Verlauf der Geschichte hat mich wirklich erstaunt: Während sie am Anfang noch nicht so recht weiß, wohin mit sich, ihrem Leben und ihrem Liebesleben und sich von Grund auf ständig unterschätzt, schafft sie es gegen Ende hin, zu einem runden, selbstbewussten und ganz besonders liebenswürdigen Charakter heranzuwachsen, mit dem ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Ich hatte Angst, dass sie eines von diesen Mädchen ist, das sich ganz im Schatten ihres erotisierenden Liebhabers versteckt und sich dabei stets von ihm retten und einlullen lässt. Dem ist nicht so! Zum Schluss erhebt sie sich derart über ihre stereotypen Rollenauflagen, dass mir geradezu die Kinnlade runtergeklappt ist. Super! Trotzdem gab es an der ein oder anderen Stelle den ein oder anderen Aufreger für mich, denn sie neigt auch schon mal zur Kopflosigkeit und - das ist etwas, das ich bei Hauptcharakteren immer ganz, ganz kritisch finde - neigt zu vorschnellen Schlüssen und begreift sehr, sehr viel langsamer als der Leser, sodass ich ihre Schlussfolgerungen häufig mit einem frustrierten Kopfschütteln quittieren musste. Aber gut, das sei ihr verziehen, denn ansonsten ist sie wirklich ein wunderbarer Charakter, um sich ganz in der Gesichte zu verlieren. 

Alessandro: Zugegeben, zuerst dachte ich "Oh nein, nicht schon wieder so einer" ... das ist vermutlich der Fluch derjenigen, die zu viele Romantik- und Erotikromane lesen. Sandro allerdings hat mich, trotz seiner zunächst sehr vorhersehbaren Art, vollkommen überzeugt. Denn anders, als ich erwartet hatte, entpuppte er sich nicht als das "Harte-Schale-Weicher-Kern-Erotisierender-Liebhaber-Exemplar" von einem Mann, sondern als eine Art Bad Boy, wie es genau meinen Nerv trifft. Ohne zu viel verraten zu wollen: Er ist bestimmt liebevoll, behutsam, manchmal dominant, verschmitzt sexy - ohne dabei übertrieben prollohaft zu sein - und an genau der richtigen Stelle "verrucht böse", ohne wirklich ernsthafte, moralische Grenzen zu überschreiten. Er ist genau der Richtige, um in Svetlana ungekannte Gelüste zu wecken, sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken und ihr zur Seite zu stehen, wenn sie die Powerfrau in sich entdeckt. Ein herrlicher Mann! Bitte werde doch Realität, ja? Vielleicht zu perfekt? Mir egal. Genau die richtige Mischung Good-Guy und Bad-Boy für mich! Schluss, Aus, Ende. Achtung: meine Meinung. Ihr seid gerne eingeladen, euch ein eigenes Urteil zu bilden. :)

Schreibstil  

Olivia weiß es, ich weiß es und gleich wisst ihr es auch: Ich liebe, liebe, liebe ihren Schreibstil. Er liest sich wie Butter, ist herrlich witzig und erfrischend und so geistreich, dass ich schnell feststellen musste, mich bei einem Erotikroman noch nie SO gut unterhalten gefühlt zu haben, ganz unabhängig der sexuell pikanten Szenen. Sehr häufig habe ich mich dabei erwischt, mit einem breiten Grinsen in der S-Bahn zu sitzen und mich über einen ihrer herrlich situationskomischen Dialoge zu bekichern. Ihr Text strahlt so viel Lebensfreude aus - und das nicht nur zwischen den Zeilen -, dass ich mich beim Lesen ständig gefühlt habe, als läge ich in einer wohlig warmen Badewanne mit einem Glas Whiskey in der Hand und ließe mir von einem Latino mit Namen Sandro die verspannten Schultern massieren. Okay, vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber ich meine es eben wirklich ernst. Olivias Schreibstil ruft in mir eine tiefe Zufriedenheit hervor und ich möchte unbedingt noch mehr von ihr lesen. Jetzt. Sofort! Ein kleines Manko hatte ich zu Beginn der Geschichte trotzdem: Die Sexszenen waren mir persönlich ein wenig zu verschämt, zu vorsichtig und zu dürftig beschrieben, um die Geschichte wirklich im Sinne der "Erotik" einzuordnen. Bis ich dann zum Schluss gemerkt habe, dass das gar nicht in Olivias Schreibstil, sondern einzig und allein Lanas Perspektive begründet liegt, denn sie selbst hat Probleme, sich zu öffnen und dadurch wirken ihre Beschreibungen ein weniger verhalten und beschämt. Im Verlauf der Geschichte werden die Szenen dann zunehmend pikanter, deutlicher, selbstbewusster beschrieben und regen mehr und mehr auch die Fantasie an - und das ist es doch schließlich, was es soll, oder? So gesehen kann man dieses "Manko" nicht als "Manko" beschreiben, sondern bloß als einen wundervollen Kunstgriff sich entfaltender, sexueller Einflüsse. 

Handlung  

Zugegeben, die Handlung fällt, was das Genre angeht, jetzt nicht unbedingt aus dem Rahmen: Verklemmte Studentin trifft heißen, selbstbewussten Latino-Mitstudenten und bekommt mit ihr die Aufgabe, einen Vortrag über Sexualität zu halten. Klar, das Lana, die noch nicht einmal "Vagina" aussprechen kann, ohne sich zu verschlucken, damit ein Problem hat. Sandro jedoch weiß ganz genau, wo er sie "anzupacken" hat, um sie ganz langsam in das Thema "einzuführen". Bei ihrer gemeinsamen Recherche entdecken sie nicht nur die körperlichen Vorzüge ihres Themas, sondern erleben auch merkwürdige Abenteuer, die die beiden zusammenschweißen und den Leser zunehmend belustigen. Dann bekommt Svetlana unheimliche Droh-SMS und das ganze nimmt plötzlich eine spannende Wendung, die, nach ein bisschen Mitdenken, gar nicht mehr so spannend ist. Trotzdem schafft es Olivia den Leser mit vielen, kleinen, originellen Ideen zu fesseln und dabei in genau richtigem Maße zum Lächeln, Mitfiebern und - ja - auch ein bisschen zum Sabbern zu bringen. Besonders die bereits erwähnte Wendung, die mit Lanas Charakterentwicklung unmittelbar zusammenhängt, hat mich vom Hocker gehauen, denn damit hatte ich nun so gar nicht gerechnet. Besonders erfrischend war es, dass es in der Geschichte unnötig kompliziert und nervtötend dramatisch zwischen den beiden Hauptcharakteren zuging. Klar gibt es Konflikte, Momente des Zweifels, Zorn und Tränen, aber alles in Maßen. Und Sandro bleibt dabei so unfassbar gelassen und souverän, dass man nie das Gefühl hat, es wäre too much (wie manchmal bei Bad Romeo & Broken Juliet). Für einen Roman der Genres Romantik und Erotik fand ich die Geschichte außerordentlich gut ausgearbeitet, spannend, ergreifend und vor allem - genau im richtigen Maße wichtig. Hat mir gut gefallen!

Gesamtwertung 

Ich hatte das außerordentliche Vergnügen, Olivias Herzprickeln vor ein paar Monaten probe zu lesen und war schon damals nicht nur überrascht, sondern auch total begeistert. Sie hat es geschafft einen Erotikroman zu schreiben, dessen Handlung nicht vollkommen abgedroschen, sondern in höchstem Maße unterhaltsam ist und damit genau richtig ist für Abende voll guter Laune und Entspannung - und ein bisschen prickelnde Erotik. Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen und trotz der ein oder anderen Sache, die mich gestört hat, finde ich Herzprickeln den - für mich persönlich - besten Romantik/Erotikroman von all denen, die ich bisher lesen durfte und ich kann ihn nur jedem gütlich ans Herz legen, der einfach mal verschmitzt lächeln und abschalten möchte. Einfach genießen!


Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
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- Eure Bücherfüchsin
 

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