Samstag, 12. Dezember 2015

[Rezension] Leisa Rayven: Ich werde immer bei dir sein - Bad Romeo & Broken Juliet (2)

Ich werde immer bei dir sein (2)

Autor: Leisa Rayven
Genre: Romantik, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 22.10.2015
Seiten: 416
Einband: Klappenbroschur
Verlag: Fischer Paperback
ISBN: 978-3-596-03323-2
Preis: 14,99€ (D) / 15,50€ (A)

Rating: 

Inhalt

"Bad Romeo & Broken Juliet: Die atemberaubende Liebesgeschichte geht weiter. Aber wie viele zweite Chancen kann man bei seiner ersten großen Liebe bekommen?

„Ich würde dich gerne küssen.“ Ethan flüstert jetzt, und mir stockt der Atem. „Das denke ich fast jeden Tag. Es ist echt erbärmlich, wie oft ich es mir vorstelle. Ich dachte, ich wäre über dich hinweg. Aber das bin ich nicht.“

Ethan und Cassandra teilen den Traum vom ganz großen Broadway-Erfolg. Doch die Auswahlverfahren für die zu besetzenden Rollen werden für sie immer wieder zu schicksalhaften Begegnungen: Ihre Körper ziehen sich so sehr an, dass die Spannung auf der Bühne nahezu greifbar ist.
Hinter den Kulissen herrscht hingegen Krieg. Cassandra ist sich sicher: nie wieder Ethan! Doch jetzt steht er vor ihrer Tür und will für die wahre Liebe kämpfen." - Quelle: Verlag





Cover  

Das Cover von Ich werde immer bei dir sein gefällt mir aus den selben Gründen nicht, die ich schon beim ersten Teil Wohin du auch gehst schon angemerkt hatte: Es ist einfach too much. Zu viel Kitsch, zu viel Gold, zu viel Bling-Bling - und eigentlich habe ich auch nur zugegriffen, weil ich den ersten Teil kannte und liebte, sonst wäre dieses Buch womöglich vollkommen an mir vorbeigegangen. Ein blaues, zertrümmertes Herz aus Rosenblättern, das sich langsam wieder zusammensetzt, vor einem goldglänzenden Hintergrund. Es gibt auf dem Markt wahrscheinlich kein Cover, das mehr "herzerreißende Liebesschnulze mit Happy End!" schreit, als dieses. Es erregt allerdings auf alle Fälle Aufmerksamkeit, wenn man daran vorbeikommt, dass ist ja schließlich auch sein Job. Gefallen muss es mir deswegen aber nicht. 

Charaktere  

Cassandra Taylor: Mit unserer Broken Juliet hatte ich auch im zweiten Teil der Geschichte so meine Probleme. Obwohl ich ihren Schmerz nach der Trennung und ihre Probleme, danach wieder auf die Beine zu kommen, sehr wohl nachfühlen konnte, kamen mir ihre Handlungen an manchen Stellen so merkwürdig und sinnlos vor, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Vielleicht kann ich es mir aber auch einfach nur nicht vorstellen, dass man seiner verflossenen Liebe auch drei Jahre nach dem Schlussstrich noch immer so hinterher trauert, als wäre die Trennung erst gestern gewesen. Vielleicht war ich aber auch noch nie so richtig verliebt. Nichtsdestotrotz habe ich ihre Entwicklung bis zum Schluss mit Begeisterung verfolgt, habe mit ihr gelitten, mit ihr geliebt, gehasst und getrauert, auch wenn ich regelmäßig dachte: "Mädchen, reiß dich zusammen!". Sie ist tatsächlich gebrochen, genau so, wie es der Untertitel der Reihe prophezeit - doch das heißt nicht, dass sie nicht in der Lage ist, sich Stück für Stück wieder zusammenzusetzen!

Ethan Holt: Ich gebe es zu: Ich bin absolut verliebt in Ethan. Gegenwartsethan, Vergangenheitsethan, ganz egal, wenn ich die Möglichkeit hätte, ihm persönlich zu begegnen, würde ich mit ihm Pferde stehlen. Obwohl er eigentlich überhaupt keine Ahnung hat, was er tut, schafft er es, nicht nur Cassies Herz, sondern auch das der Leserinnen reihenweise gefangen zu nehmen und rückt sie einfach nicht mehr heraus. Es ist unfassbar interessant zu beobachten, wie sich der misstrauische, beziehungsunfähige Junge sich letztlich zu einem starken und gefühlvollen Mann entwickelt und es aus eigener Kraft - aber mit ein bisschen Hilfe - schafft, seine ureigenen Ängste zu überwinden. Letztere waren zwar auch der Grund, warum ich das Buch regelmäßig frustriert in die Ecke pfeffern wollte, aber hey, vermutlich ging es ihm da nicht anders. Die ganze Zeit dachte ich "Junge, jetzt komm doch endlich mal klar!" und wollte nicht verstehen, warum er schon wieder Mist bauen muss. Andererseits wurde sein psychologischer Hintergrund im Verlauf der Geschichte so plausibel erklärt, dass ich ihm gar nicht lange böse sein konnte. Chapeau!

Schreibstil  

Leisa Rayvens Schreibstil ist eine bunte Mischung aus flüssig, humorvoll, romantisch, dramatisch, mitreißend und lebendig und hat mir damit unfassbar schöne Stunden und ein herrliches Lese-Erlebnis beschert. Selten litt ich unter einer Liebesgeschichte solche Stimmungsschwankungen, wie bei Bad Romeo & Broken Juliet. Besonders toll fand ich die Art und Weise, mit der sie die verschiedensten Textsorten dafür gebraucht hat, dem Leser die Zwickmühle der beiden Hauptcharaktere näher zu bringen - neben den normalen, erzählten Handlungen, die abwechselnd in der Vergangenheit und der Gegenwart stattfinden, finden wir nämlich auch noch dezent gestreut Tagebucheinträge und Flashbacks in diese Handlungen eingewoben. Damit fand ich nicht nur ein so heiß ersehnter Perspektivenwechsel statt, sondern dem Leser wurde gegen Ende hin immer deutlicher gemacht, dass die beiden Handlungsstränge - Vergangenheit und Gegenwart - gerade dabei sind, dezent ineinander überzugehen. Fasziniert habe ich beobachtet, wie ich besonders die Flashbacks zum Schluss einfach nur noch mit Begeisterung inhaliert habe, weil sie so sehr zur Spannung beigetragen haben. Einen gewichtigen Kritikpunkt habe ich aber dennoch: Obgleich mir die intimen Szenen zwischen Ethan und Cassie gut gefallen haben, wurden sie mit der Zeit trotzdem irgendwie redundant und vorhersehbar. Immer die selben Griffe, die selben Worte für die selben Beschreibungen und die selben übertrieben-aufgebauschten körperlichen Gefühlsregungen auf die kleinsten Berührungen. Alles schön und gut, alles schön und glaubhaft - aber bitte in Maßen. Ich sage nicht, dass man diese Szenen streichen sollte, es bloß gereicht sie nicht auf die immer wieder gleiche Weise zu beschreiben. Sonst wird es irgendwann langweilig!

Handlung  

Die Handlung von Bad Romeo & Broken Juliet ist ein einziges, symmetrisch-paralleles Gebilde von Annäherung und Abstoßung, Schmerz und Glückseligkeit, Misstrauen und Liebe. Bewegen sich die Charaktere in der Gegenwart aufeinander zu, tun sie es auch in der darauffolgenden Vergangenheits-Episode. Stoßen sie einander ab, geschieht es in beiden Handlungssträngen ebenfalls parallel. Ist zu Beginn der Geschichte (in Band 1) Ethan derjenige, der ein gravierendes Problem mit Vertrauen hat, ist es zum Schluss (in Band 2) Cassie, der es so geht. Und so weiter und sofort. Ich habe die Entwicklung der Handlung mit Begeisterung und Staunen verfolgt und habe mich gefragt, wie eine Autorin es schafft, einer solch gleichmäßigen Struktur zu folgen, ohne hin und wieder auszubrechen. Ein Problem hatte ich mit diesem 'System' schließlich doch, denn genau wie bei den immer wieder gleich beschriebenen Sexszenen, gab es auch im Großen und Ganzen immer wieder Dinge, die sich wieder und wieder wiederholt haben, Gespräche die so oder so ähnlich schon einmal stattgefunden haben oder Probleme, Gefühle und andere Dinge, die wir schon in Band 1 miterleben konnten. Für mich war es einfach zu viel - eine Pirouette zu viel, ein Theaterstück zu viel, ein Streit zu viel, einmal Sex zu viel, einmal zu viel Sturheit. Die Geschichte hätte sich schon viel früher zu einem guten Ende wenden können und hätte mir und Cassie damit viel Leid erspart. In meinen Augen wären keine zwei Bände nötig gewesen, um aus Ethan und Cassie eine tolle Liebesgeschichte zu machen, aber vielleicht bin ich da auch nur zu kritisch. Rein vom Aufbau her finde ich die Geschichte nämlich äußerst gut gelungen. 

Gesamtwertung 

Alles in Allem hat mir die Geschichte um die beiden Jungschauspieler und ihre Unfähigkeit, eine rechte Beziehung zu führen, sehr gut gefallen. Trotz der Meinungsverschiedenheiten, die ich manchmal mit Cassie hatte, konnte ich gut mit ihr fühlen, mit ihr leiden und lieben und war Ethan dabei mit Haut und Haar verfallen. Genau deswegen wollte ich einfach, dass die beiden endlich zusammen finden, endlich glücklich werden und ihre dämlichen Kindereien endlich hinter sich lassen. Zwei Bände mit über 400 Seiten hat es dazu gebraucht. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen! Nichtsdestotrotz bin ich glücklich über den Ausgang der Geschichte und die positive Botschaft, die sie mit sich bringt und ich kann nur von Glück sagen, dass ich damals, trotz meiner offensichtlichen Geschmacksverirrung das Cover betreffend, trotzdem zugegriffen hatte. Denn trotz aller Meckereien, die ich anzumerken hatte, hat sich Bad Romeo & Broken Juliet zu einer meiner allerliebsten Lieblingsgeschichten hochgearbeitet. Die letzte Seite zu lesen fühlte sich an, als würde ich einer neu gewonnenen Familie den Rücken zukehren. Ich vermisse Ethan und Cassie jetzt schon.



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- Eure Bücherfüchsin