Freitag, 4. September 2015

[Sonstiges] Aller Anfang ist schwer!

Liebe Bücherfüchse,

in diesem Moment verfasse ich meinen aller ... aller ... allerersten Blogpost in der Geschichte meines ganzen Lebens. Dies mag nicht mein erster Versuch sein, einen Blog zu schreiben - Bloggerin zu werden -, aber es ist der erste, bei dem ich so weit komme, tatsächlich einen Post zu schreiben. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie merkwürdig es sich anfühlt. Und doch ist da gleichzeitig dieses merkwürdige, vorfreudige Kribbeln in meiner Magengegend, das mir sagt, dass es das richtige Entscheidung ist. Ich muss es einfach versuchen!

Warum also dieser Blog? Ich könnte mich doch auch einfach mit dem zufriedengeben, was ich während meines Literaturstudiums tagtäglich tue: lesen, lesen, lesen ... und ab und an mal eine total überflüssige und möglicherweise vollkommen an den Haaren herbeigezogene Seminararbeit schreiben, um irgendwie meine ECTS-Punkte zusammenzukriegen. Die Wahrheit ist: es reicht mir einfach nicht. Aber dazu kommen wir gleich noch! Ich weiß nicht, wie viele Male ich in meinem Leben etwas begonnen habe, ohne es jemals wirklich zu beenden, aus Angst vor dem, was mich erwartet, wenn ich fertig bin. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich bisher noch keine meiner Geschichten vollendet und die letzten Folgen meiner Lieblingsserie LOST noch nicht gesehen habe: weil ich feige bin und mich nicht traue. Weil ich Angst habe zu scheitern. Und, weil ich oftmals das Gefühl habe, dass das, was ich tue, meinen eigenen Ansprüchen niemals genügen kann - wie also kann es jemand anderem genügen?



Dieser Blog ist etwas, das ich schon sehr lange machen wollte. Noch bevor ich ein Teenager wurde, wusste ich, dass ich Bücher liebe und mich täglich über sie austauschen wollte. Wie ungemein frustrierend es sich damals anfühlte, ein Buch zu beenden, zu spüren, wie die Begeisterung in meiner Brust flatterte, wie ein junger Vogel, und ich unbedingt jemandem von der fantastischen Reise erzählen wollte, die ich soeben hinter mich gebracht hatte. Nur wem? Wohin mit den Schmetterlingen im Bauch? Wohin mit meiner  geradezu hervorquellenden Fantasie, meinen kindhaften Träumen und den ganzen  bunten Welten, die plötzlich vor meinem inneren Auge tanzten?

In der Regel tauschte ich mich mit meinen Freundinnen aus. Eine von ihnen teilte meine Freude am Lesen sogar ganz besonders. So besonders, dass wir uns zwei Jahre lang regelmäßig an den Lese-Tischen unseres örtlichen Thalia oder in einem Café trafen, um zu schweigen, zu lesen, Kakao zu trinken und ab zu den Kopf zu heben, um dem anderen lachend zu erzählen, was wir gerade eben gelesen hatten. Es ist noch heute eine meiner wohlbehütetsten Erinnerungen, wie wir nachts, als ich bei ihr übernachtete, nebeneinander ins Dunkel starrten und uns über die Geschichten austauschten, die uns am meisten beeindruckten. Und dann ging jede von uns ihren eigenen Weg und ich fand nie wieder eine Freundin, die mich so verstand, wie sie. Natürlich gab es Mädchen und Jungs in meinem Freundeskreis, die gerne lasen. Aber bei ihnen war es einfach anders. Ich hatte das Gefühl, dass sie zwar lasen, jedoch nicht träumten. Dass die Geschichte für sie beendet war, sobald die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt war. Oder dass sie, selbst wenn sie träumten, es vielleicht einfach nicht mit mir gemeinsam tun wollten.

Dann kam mein Studium. In einem Literaturstudium ist kein Platz fürs Träumen. Ich musste sehr schnell feststellen, dass die Literaturwissenschaftler Bücher zwar lieben, doch niemals leben. Sie versuchen, in das Innere des Textes vorzudringen, ihn zu theoretisieren und in irgendeine ihrer tausend Schubladen zu packen. Sie interpretieren sie tot - all diese wundervollen Geschichten, die es da draußen gibt - sie sterben unter dem Skalpell der Wissenschaft. Ich wollte über Bücher reden, sie weiterspinnen, über sie träumen; jeden einzelnen Moment meines Lebens habe ich mir gewünscht die Geschichten, die ich las, zum Leben zu erwecken und ein Teil von ihnen werden zu können ... doch die Literaturwissenschaft bewirkte für mich genau das Gegenteil: sie tötete den Text.

Im 2. und 3. Semester durchlitt ich genau diese Krise. Ich lernte Theorien über Theorien über Autoren und über Texte. Wollte ich das überhaupt? Interessierte es mich überhaupt? Der Spaß am Lesen war mir bereits nach dem ersten Semester vergangen, warum also weitermachen? Jeden Tag presste ich wissenschaftliche Texte in mich hinein, solange, bis mir übel wurde. Es blieb einfach keine Zeit für Fantasie oder Träumerei. Das hier und jetzt zählte - Fakten, Fakten Fakten! Alles, was ich am Lesen liebte, wurde von einer Lawine der Information verschüttet und dabei erstickt. Ich flüchtete mich in Computer- und Rollenspielwelten, um das zu kompensieren, was mir von dem Augenblick an fehlte, in dem ich das erste Mal einen Seminarraum betrat. Mit der Zeit gewöhnte ich mich allerdings an die Wissenschaft. Ich wurde gut im Zerdenken und Interpretieren, im Zerstören der Fantasie. Ich beugte mich dem Los der Wissenschaft! Ich schrieb nicht mehr, ich las nicht mehr. Man könnte sagen, ich wurde ein Bücherzombie.

Nun, im 6. Semester, in dem ich keinerlei Seminare mehr zu belegen habe, kehre ich in die Welt der Bücher zurück. Mein Studium neigt sich dem Ende zu und als ich letzte Woche das erste Mal seit Langem wieder ein Buch beendete - ein Jugendbuch (genau genommen Hope Forever von Colleen Hoover) - spürte ich endlich, wie ich innerlich aufatmete. Meine Augen flogen nur so über die Zeilen, sogen den Text in sich auf und endlich, endlich konnte ich in die bunten Welten zurückkehren, die ich in den letzten drei Jahren so schmerzlich vermisst habe. Ich bin zurück! Und ich habe einiges verpasst! 

So unglaublich viele Bücher habe ich verpasst. Man sagt, dass in Deutschland jährlich um die 100.000 Bücher im Jahr erscheinen (Tendenz steigend!), das heißt, dass mir etwa 300.000 Bücher durch die Lappen gegangen sind. Natürlich nicht ganz so viele, wenn man Sachbücher, Schulbücher, Bildbände, etc. außenvorlässt, aber dennoch eine ganze Menge. Und ich bin hungrig! Ich bin hungrig! Ich will endlich wieder lesen und ich will euch daran teilhaben lassen. Ich will mich mit euch austauschen und Bücher nicht nur lieben, sondern leben! Und wer weiß? Vielleicht kommt meine Lust am Schreiben dann auch endlich wieder zu mir zurück? 

Vielen Dank, dass ihr meinen ersten - allerersten - Blogpost verfolgt habt. Fühlt euch fest gedrückt! Frohes Lesen, ihr Lieben!


Eure Bücherfüchsin 
 

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