Freitag, 2. Oktober 2015

[Sonstiges] Der Amazon-Effekt

Meine lieben Bücherfüchse, 




seit ich angefangen habe, regelmäßig Rezensionen für diesen Blog zu schreiben, stelle ich mir tagtäglich die selbe Frage: Wann ist ein Buch ein gutes Buch? Wenn ich allein der Meinung bin, dass etwas gut ist, ist es dann auch gut? Oder ist es die Entscheidung der Mehrheit, ob ein geschriebenes Werk lesenswert ist oder nicht? Wenn von 80 Personen 41 einem Buch eine positive Wertung geben, sind die 39 anderen Stimmen dann automatisch nichtig, weil die Mehrheit so entschieden hat? Das kommt mir nicht fair vor. 

Nein, fair ist das ganz bestimmt nicht. Bewertungen gibt es inzwischen fast überall im und außerhalb des Internets - sogar die öffentliche Toilette des Wiener Flughafens will inzwischen, dass ich, wenn ich mein Geschäft verrichtet habe, eine positive, eine neutrale oder eine negative Bewertung abgebe. Man ist besorgt um meine Kundenzufriedenheit und bereit, gegebenenfalls mangelnde Umstände zu beseitigen. Nicht jedoch bei Online-Verkaufsplattformen wie Amazon oder Thalia.de. Die Wertung, die wir dort einem Buch geben, wird nicht etwa bloß dazu verwendet, dem Autor positives oder negatives Feedback zu geben, konstruktive Kritik zu liefern und damit zur Entstehung und Verbesserung seines nächsten Werks beizutragen, sondern sie ist einzig und allein dafür da, sie zu verkaufen. 

Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts dagegen, dass Bücher verkauft werden (Amazon ist da  ja nochmal ein ganz eigenes Thema für sich) - im Gegenteil. Ich will, dass Bücher verkauft werden. Ich will, dass Autoren mit dem, was sie leisten, Geld verdienen können, weil es das ist, was sie lieben. Weil sie selbst Geld und Zeit und Herzblut in ein Projekt investieren, um es mit uns, ihren Lesern, zu teilen und uns damit zu erfreuen. Weil es ihr Baby ist. Und ich will auch, dass wir Leser unsere Meinung kundtun dürfen. Ich will, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, ob er ein Buch gut oder schlecht findet, was ihm daran gefallen hat und was nicht. Und, dass die Autorinnen und Autoren dieser Welt, aus diesen Meinungen ihr Feedback bekommen, um sich immer weiter zu verbessern.

Was ich nicht will ist, dass persönliche Wertungen als einzig wahrer Kaufgrund missbraucht werden. 

Seien wir doch mal ehrlich. Was gut und was nicht gut ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und trotzdem gibt es diese Menschen, die auf Amazon oder Thalia nach Büchern suchen, doch anstatt zuerst den Klappentext zu lesen oder einen Blick in die Leseprobe geworfen zu haben, bloß einen Blick auf die Sternebewertung werfen und ... weiterklicken. Zwei Sterne: miserabel. Drei Sterne: Nicht mal einen Blick wert. Vier Sterne: Ganz passabel aber eben auch nicht top. Und dabei ist ihnen völlig egal, ob das Buch erst eine einzige - nämlich eine mit zwei Sternen - oder schon fünf Millionen Bewertungen hat. Stern ist Stern, Wert ist Wert, gut ist gut, schlecht ist schlecht und Buch ist Buch. Und ich oute mich hiermit, lange Zeit eine dieser Leserinnen gewesen zu sein. Vielleicht bin ich es sogar immer noch. Aber ich nehme mir vor, in Zukunft darauf zu achten.

Jemand, der so viel Erfolg mit seiner Schreiberei hat, wie beispielsweise Stephen King, der braucht sich um solcherlei Dinge wohl kaum Gedanken zu machen. Doch all die jungen Nachwuchs und Indi-Autoren dort draußen, die sich mit ihrem Erstlingswerk in den großen bösen Haifischteich der Literaturwelt wagen, muss sich jede einzelne Amazon-Rezension anfühlen wie das Jüngste Gericht. Wenn unter ihren vier ersten Bewertungen nur zwei schlechte dabei sind, fällt ihre Gesamtwertung in den unteren Bereich - und für potentielle Leser, die sich von "Sternen" allzu sehr beeinflussen lassen, werden sie dadurch geradezu "non-existent". Wie kann so etwas fair sein?

Natürlich will jeder erst wissen, was er bekommt, bevor er dafür Geld ausgibt. Das ist vollkommen normal und überhaupt nicht verwerflich. Ich für meinen Teil würde mir aber eins ganz besonders wünschen: dass Bücher eine Chance bekommen, ganz gleich, ob die Mehrheit sie gut oder schlecht fand. Lest den Klappentext, schaut in die Leseprobe und überlegt dann erst, ob ihr das Buch für euch persönlich in die Unweiten des Bücherhimmels verbannt, oder ob ihr ihm eine Chance gebt, sich zu beweisen. Bildet euch eine eigene Meinung. Schreibt Rezensionen, gebt Kritiken und Wertungen ab, aber gebt dem Amazon-Effekt keine Chance! Das wünsche ich mir für jeden einzelnen Autoren dort draußen, egal ob erfolgreich oder eben (noch) nicht.

 Ich weiß nicht, ob meine Gedanken irgendeinen Sinn machen. Ich habe noch nicht so viel Übung darin, sie für einen Blogeintrag zu ordnen, aber ich verspreche, dass ich daran arbeiten werden. :)

Was meint ihr? Leidet ihr auch manchmal unter dem Amazon-Effekt? Findet ihr ihn genauso schrecklich? Oder seid ihr anderer Meinung? Ich freue mich auf eure Kommentare!



~ Eure Bücherfüchsin
 

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