Dienstag, 6. Oktober 2015

[Rezension] Leisa Rayven: Wohin du auch gehst - Bad Romeo & Broken Juliet (1)

Wohin du auch gehst (1)

Autor: Leisa Rayven
Genre: Romantik, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 23.07.2015
Seiten: 496
Einband: Klappenbroschur
Verlag: Fischer Paperback
ISBN: 978-3-596-03322-5
Preis: 14,99€

Rating: 

Inhalt

"Der Traum vom unsterblichen Ruhm führt Cassandra Taylor und Ethan Holt zu einer der berühmtesten Schauspielakademien der USA. Bereits während des Vorsprechens kommt es zu einem schicksalshaften Ereignis: Cassandra und Ethan spielen eine gemeinsame Szene so perfekt, als besäßen sie eine tiefe Verbindung und würden sich seit Jahren kennen. Zwischen ihnen herrscht eine Anziehungskraft, die weder einstudiert noch erklärbar ist. Für das Auswahlverfahren erweist sich dies als Glücksfall: Cassandra und Ethan werden als das bekannteste Liebespaar der Geschichte gecastet. Trotz der gegenseitigen Anziehungskraft klappt es privat zwischen den beiden überhaupt nicht. Dennoch sind sie auch in den kommenden Jahren die perfekte Besetzung für große Liebesgeschichten. Und mit jedem Vorhang der fällt, werden Cassandra und Ethan tiefer in das Wunder der Liebe hineingezogen." - Quelle: Verlag


Cover  

Ich weiß nicht, was es war, das mich dazu verleitet hat, bei diesem Buch zuzugreifen. Ein gold-glänzender Hintergrund, dessen Mittelpunkt ein großes, splitterndes Herz und seine Scherben bilden - für gewöhnlich lasse ich die Finger von solchen Covern, weil mich die Klischee behafteten Geschichten dahinter in der Regel nur enttäuscht haben. Aber bei Wohin du auch gehst war es anders. Ich dachte: "Ich brauche jetzt eine herzzerreißende Romanze und ich gebe diesem Buch jetzt eine Chance!" - und Zack! Ganz entgegen meiner Empfindung, dass dieses Cover viel zu sehr FRAUENROMAN! schreit und damit sogar für meinen Geschmack zu kitschig sein dürfte, griff ich zu. Das Cover ist zugegebenermaßen ein Hingucker und irgendwie auf seine Weise auch ästhetisch, trotzdem aber nicht wirklich mein Fall.

Charaktere  

Cassandra Taylor: Zu Beginn des Romans dachte ich, dass ich mit Cassie niemals wirklich warm werden würde. Schon nach den ersten Seiten war ich felsenfest davon überzeugt, dass sie eine furchtbare Schreckschraube ist, die sich in Gegenwart ihres Verflossenen aufführt wie der letzte Volltrottel - und genau das ist bei "Gegenwarts-Cassie" der Fall. Zum Glück gab es aber noch eine andere, fünf Jahre zurück liegende Zeitebene, die dem Leser die Ethan-Problematik von Beginn an erzählen will. Erst diese Einführung von "Vergangenheits-Cassie" hat mir die Protagonistin so richtig nahe gebracht. Ihre Bemühungen, den in sich gekehrten, sozial irgendwie unfähigen Ethan für sich zu gewinnen haben nicht nur meine Sympathie für sie erregt, sondern auch dafür gesorgt, dass ich das Buch geradezu inhaliert habe. Ich habe mit ihr gelacht und gezittert, war genau wie sie an einigen Stellen so zornig auf Ethan, dass ich ihm am liebsten... (zensiert). Leider konnte ich mich, bei aller Liebe zu ihr, bis zum Schluss nicht so recht mit Cassandra identifizieren, was nicht zwangsläufig schlecht ist. Denn es macht sie erst zu einem eigenständigen Charakter mit Macken, Fehlern und Eigenheiten, die man mögen kann - oder eben nicht. 

Ethan Holt: Ach Ethan. Wenn es so etwas wie einen "Book-Boyfriend" wirklich gibt, dann würde ich für diese Rolle wohl ihn wählen. Wie kein anderer beherrscht er die Verführungstaktiken des "Push-and-Pull", stößt Cassie im einen Moment von sich weg, nur um sie im nächsten wieder an sich zu reißen... und sich dann wieder von ihr abzuwenden. Das macht er nicht etwa aus Absicht oder purer Berechnung, sondern aus bloßer Angst davor, jemandem wirklich tief und bedingungslos zu vertrauen. Doch auch diese Tatsache hütet er als Geheimnis seiner Existenz wie einen Schatz und genau wie die Protagonistin Cassie brauchen wir über 400 Seiten, um irgendwie hinter sein Problem zu kommen. So lange sind wir ihm hilflos ausgeliefert, seinem Charme verfallen und ... wünschen uns die ganze Zeit nichts lieber, als dass er und Cassie endlich zusammenfinden. Ethan ist das beste Beispiel dafür, welche Art von Mann bei den meisten Frauen am besten ankommt: Im einen Moment Arschloch (ohne dabei verachtend oder frauenfeindlich zu sein!), im anderen wahnsinnig zerbrechlich. Gegen meinen Willen bin ich ihm als Leserin immer weiter verfallen... aber psst. Muss ja nicht jeder wissen!

Schreibstil  

Zugegeben, am Anfang hatte ich meine Probleme, mit der Ich-Perspektive von Gegenwarts-Cassie klar zu kommen, denn charakterlich konnte ich mit ihr nicht wirklich etwas anfangen. Leisa Rayvens Schreibstil war allerdings von Beginn an derart packend, dass ich die knappen 500 Seiten in einem Rutsch hätte lesen können, wären da nicht noch andere Aufgaben gewesen, die auf mich gewartet haben. Sie verzichtet dabei stark auf unnötige Beschreibungen von Umgebungen oder Situationen, verlagert ihren Schwerpunkt dadurch aber besonders auf Cassies Innensichten und vor allem die großartigen Dialoge! Die Charaktere waren plastisch, gut ausgearbeitet, manchmal allerdings etwas überspitzt dargestellt, wie beispielsweise Cassies Mitbewohner Tristan, den ich allerdings durch seine urige Art erst ganz besonders genossen habe. Die Tatsache, dass sich wirklich jede Szene um Cassie und Ethan dreht und die beiden die ganze Zeit miteinander im Dialog stehen, wenn auch auf verschiedenen Zeitebenen oder getrennt durch diverse Zeitsprünge, fiel mir erst ganz zum Schluss des Buches auf, denn es hat mich nicht eine Sekunde lang gestört. Faszinierend ist, dass die Autorin es schafft, den Fokus dauerhaft auf die Dialoge und Begegnungen der beiden zu legen und es trotzdem niemals langweilig wird. Trotzdem kommt es an einigen Stellen zu Wiederholungen, die zwar nicht störend, aber auffällig sind.

Handlung  

Die Handlung fühlt sich an, wie ein Nieser, der immer und immer wieder in der Nase kitzelt, aber nie zur Erlösung kommt. Oder das Finden und Verlieren des finalen orgastischen Gefühls. Es kommt immer wieder zu Höhepunkten, die mir ein aufgeregtes Kribbeln in den Fingerspitzen trieben, aber niemals zu einem wirklich befriedigenden, auflösenden Ende. Auch, wenn es das ist, was der Klappentext längst angekündigt hat ("Wirklich große Liebesgeschichten haben kein Happy End. Sie enden nie."), habe ich, genau wie die Protagonistin, während des Lesens Glück und Frustration im Wechsel empfunden. Sie sagt ja, er sagt nein, er sagt ja, dann sagt er wieder nein, dann sagt sie nein und er sagt plötzlich ja - und es nimmt kein Ende! Selbst am Ende nimmt es nicht wirklich ein Ende und der Leser wird ängstlich und unbefriedigt zurückgelassen, nur um sehnsüchtig auf den zweiten Teil zu warten. Ich weiß nicht, ob das, was Leisa Rayven da geschaffen hat, Kunst ist, aber es ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Form von Nervenkitzel, die mich bis zum Schluss gefangen und festgehalten hat. 

Gesamtwertung 

Wohin du auch gehst hat mir wirklich überraschend gut gefallen, obwohl ich weder vor, noch nach dem Kauf wirklich daran geglaubt habe. Der Schreibstil ist flüssig, die Dialoge großartig, die Liebesszenen mitreißend, die Auf und Abs allerdings auf Dauer ... frustrierend. Nach 500 Seiten des ewigen Bangens hätte uns die Autorin die heiß ersehnte Erlösung lassen können, aber nein - sie entschied sich einen zweiten Teil zu schreiben. Das Problem ist, dass ich nicht weiß, ob ich das ganze Hin und Her zwischen Cassie und Ethan wirklich noch ein zweites Mal aushalten kann und will. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass die beiden endlich ihren Frieden finden, aber meine Nerven würden wahrscheinlich durchbrennen, wenn der nächste Teil auch so eine Tortur bedeutet. Alles in Allem kann ich sagen, dass es ein wirklich mitreißendes, herzzerreißendes, ekstatisches Buch für jeden ist, der auf Romantik ohne übermäßig viel Kitsch steht - und vielleicht ein bisschen masochistisch ist. 





Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action



- Eure Bücherfüchsin
 

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