Dienstag, 27. Oktober 2015

[Rezension] Julia Adrian: Die Dreizehnte Fee - Entzaubert (2)

Die Dreizehnte Fee - Entzaubert (2)

Autor: Julia Adrian
Genre: Fantasy, Mythen & Legenden, (Romantik)
Freigabe: keine
Erschienen: 22.10.2015
Seiten: 220
Einband: eBook
Verlag: Drachenmond
ISBN: 978-3-95991-132-0
Preis: 2,99€ (eBook) / 12,00€ (broschiert)

Rating: 



Inhalt

"Ich bin der Anfang, ich bin das Ende." Fünf Feen fielen unter dem Schwert des Hexenjägers. Jetzt ist es die Königin, die er jagt. Im hohen Norden sieht die Dreizehnte Fee dem Urteil der verbliebenen Schwestern entgegen. Und nur eine weiß das Ende, doch ihre Macht schwindet und mit ihr die einzige Chance das Rätsel um die Erweckung der gefährlichsten aller Feen zu entschlüsseln. Sieh hin, flüstert die Königin. Lerne, was es heißt, mich zu betrügen!" - Quelle: Amazon


Cover  

Genau wie beim Cover des ersten Teils kann ich eigentlich nur sagen: dieses Cover ist wunderschön! Ich liebe die Farbnuancen zwischen Dunkel-, Eisblau und Rotbraun, die hellen, zierlichen Ornamente, die den Titel einrahmen und erst auf den zweiten Blick preisgeben, dass es sich eigentlich um einen Spiegel handelt - einen der drei (?) Spiegel der Feenmutter. Die Farbgebung und die hell glänzenden Blätter und Zapfen am Rande des Covers erinnern an einen kalten aber klaren Wintertag und an den Frost, der sich unnachgiebig über alles legt, was ihm erreichbar ist. Erst nach dem Lesen wird klar, wie gut das Cover eigentlich zum Inhalt der Geschichte passt, denn die Eishexe spielt in diesem Band eine größere Rolle als noch zuvor. Mehr weiß ich nicht zu sagen - einfach wunderschön!

Charaktere  

Lilith: Die Dreizehnte Fee - oder auch Hexe, wie sie im Volksmund von den Menschen genannt wird. Bevor sie von ihren 12 anderen Schwestern in eine schreckliche Falle gelockt wurde, durch die sie nicht nur 1000 Jahre ihres Lebens, sondern auch ihre Kräfte verlor, war sie die Königin der Feen und die Herrscherin über Pandora. Aber sie ist auch Lilith, die große Schwester der Feenkinder, das sanfte Mädchen, das sich nach nichts anderem mehr sehnt, als nach der Liebe, die sich all die Zeit selbst verboten hat. Ich liebe es, wie Lilith sich im Laufe des zweiten Bandes immer mehr entwickelt: Sie steckt irgendwo fest zwischen der stolzen Königin und dem Mädchen, das sie wirklich ist und weiß nie so recht, wie sie mit diesen beiden Persönlichkeiten umgehen soll, die dauerhaft um die Kontrolle kämpfen. Einerseits will sie blutige Rache an ihren Schwestern nehmen, die ihr ihre Magie gestohlen und unter sich aufgeteilt haben. Andererseits liebt sie ihre Schwestern mehr als sich selbst und kann es nicht ertragen, dass eine nach der anderen der Königin oder dem Hexenjäger zum Opfer fällt. Dieses Hin-und-Hergerissen-Sein nimmt einen als Leser unglaublich mit, denn irgendwie kann man beide Seiten verstehen, auch, wenn man die Königin, die in ihr schlummert, mehr als alles andere fürchtet. Ich wünsche Lilith, dass sie es im dritten und letzten Band endlich schafft, Frieden mit sich, der Königin und ihren Schwestern zu finden und endlich das Leben leben kann, das sie sich so sehr wünscht: Seite an Seite mit dem Hexenjäger. Aber warum habe ich so ein ungutes Gefühl, dass ihr ein Happy End niemals bestimmt ist?

Hexenjäger: Leider spielt der Hexenjäger im zweiten Band der Fee eher eine untergeordnete, aber nichtsdestotrotz wichtige Rolle. Von einer der Feenschwestern gelenkt, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, alle 13 Feen zu finden und zu töten, die mit Magie und Grausamkeit das Leben der Menschen zur Hölle machen. Auch er befindet sich durchweg in einem schrecklichen Zwiespalt, denn die Einzige, die ihm dabei helfen kann, die Hexen zu töten, ist die 13. Fee - Lilith. Seit er sie im ersten Teil aus dem Turm befreit hat, um sie als Waffe zu missbrauchen, scheint er undefinierbare Gefühle für sie zu haben: einerseits hasst er sie, denn sie ist sein Feind und die grausamste von allen (zumindest die Königin, die in ihr schlummert), andererseits ist sie feingliedrig, zerbrechlich und liebenswert und immer wieder verfällt er ihrem Zauber, liebt sie, zieht sie an sich - nur um sie im nächsten Moment von sich zu stoßen. Lieber Hexenjäger, ich weiß, dass du Lilith liebst, sei kein Narr und stoße sie von dir für das, was sie irgendwann mal gewesen ist! Schlimm, das er mich nicht hören kann. Und noch schlimmer, das ich noch so lange auf den dritten Band warten muss, um herauszufinden, wie es mit den beiden weitergeht. Ahhhh!

Eishexe: Die Eishexe ist Liliths älteste Schwester, die erste, die nach ihr kam und ich führe sie hier stellvertretend für alle anderen Feen-Schwestern auf, die ich leider nicht einzeln besprechen kann. Jede von ihnen ist einzigartig, jede von ihnen hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Leid, ihre eigene Schwachstelle - sie sind alle großartig! Die Eishexe ist eines der besten Beispiele, dass nicht nur Lilith und der Hexenjäger unter einem ewigen Zwiespalt leiden, auch die Feen tun das. Einerseits fürchten sie die grausame Königin, die ihre Schwester einmal gewesen ist und die ihnen das Leben zur Hölle gemacht hat, doch andererseits lieben sie Lilith, die fürsorgliche Schwester, die sie als Kinder beschützt und gehütet hat. Und trotzdem müssen sie sie jetzt bekämpfen, denn Lilith ist die einzige, die die Feen töten und ihre Herrschaft beenden kann. Solange die Königin irgendwo in ihr schlummert, können sie nicht aufhören, sie zu bekämpfen. Einsam lebt die Eishexe in ihrem Palast ganz im Norden, in einem Saal voller Bücher, ohne Gesellschaft, fernab von den Menschen, die sie ohnehin nur töten wollen. Sie bringt den Winter, die Kälte, das Eis, tut das, was von ihr als Herrscherin über das kalte Element verlangt wird und zieht so erst Recht den Zorn der Menschen auf sich. Gleichzeitig sammelt sie Porträts der Menschen, die ihrer Magie zum Opfer fallen, damit keiner von ihnen vergessen wird. Sie ist missverstanden und einsam, hat nur gelernt, sich mit Grausamkeit selbst zu schützen - genau wie ihre Schwestern. Was habe ich mit ihr gelitten!

Schreibstil  

Julia Adrians Schreibstil ist unfassbar - unfassbar! - gut. So etwas habe ich (ganz besonders im Fantasy/Jugendbuch-Bereich) noch nie erlebt. Sie schafft es mit kurzen, präzisen Sätzen Welten zu bauen und Emotionen zu vermitteln und ihre Sprache hat dabei so einen ganz bestimmten magischen Klang, vor dem ich nur ehrfürchtig das Haupt neigen kann. Ich liebe es, wie sie den Leser oft im Unklaren lässt, indem sie Namen oder Wahrheiten weglässt oder nur andeutet, sodass man immer das Gefühl hat, dass man ganz nah dran ist, alles zu verstehen, die Geschichte zu entschlüsseln, aber es fehlt einem der letzte Baustein. Es ist schwer in Worte zu fassen, welches hochgradig kunstvolles Spiel Julia Adrians Sprache da mit uns treibt. Sie erschafft Welten und doch ist einem als Leser der Blick auf das Ganze irgendwie verwehrt, bis sie selbst entscheidet, wann sie das Geheimnis auflösen möchte. So beschreibt sie eine Szene aus der Sicht der Fee, die den Turm betritt und "sie" dort sitzen sieht. Sie unterhält sich mit "ihr" und man versucht verzweifelt aus der Konversation und den Umständen herauszufinden, mit wem sie gerade spricht, wen die Fee denn nun vor sich hat - und erst am Schluss der Szene fällt es einem wie Schuppen von den Augen, jetzt hat man es, das letzte fehlende Puzzelteil. Das klingt jetzt vielleicht frustrierend für diejenigen, die Julia Adrians Schreibstil noch nie gekostet haben, aber das ist es nicht - im Gegenteil: es hält einen ständig auf Trab, sodass man das Buch eigentlich nie aus der Hand legen will, weil einem immerzu eine Frage unter den Nägeln brennt, weil man immer ein Rätsel hat, das es zu lösen gilt und nach dessen Auflösung man hungert. So etwas habe ich noch nie erlebt! 

Handlung  

Die Handlung der Fee ist gar nicht so richtig in Worte zu fassen, denn der erste und der zweite Teil schließen sich so nahtlos aneinander an, dass ich gar nicht mehr so recht weiß, wo Anfang und Ende ist. Lilith befindet sich auf der größten Reise ihres Lebens, auf der Suche nach Rache und Liebe gleichermaßen trifft sie die Menschen, die sie früher gequält hat, persönlich und erfährt am eigenen Leib, was es heißt, unter der grausamen Herrschaft der Hexen zu leiden. Dabei stolpert sie von einer Bedrohung in die nächste, trifft eine Schwester nach der anderen, entschlüsselt ihr eigenes Geheimnis, das sie selbst längst vergessen hat und lässt den Leser dabei niemals los. Nie. Es gibt keinen richtigen Spannungsbogen, es fühlt sich mehr an wie eine riesige Sinuskurve, die einen immer wieder zwischen Gefahr und Erkenntnis hin und her wirft. Selbst die Szenen der Vergangenheit saugt man als Leser in sich auf, nicht nur, weil der grandiose Schreibstil einen dazu treibt, sondern auch, weil man mehr wissen will, weil man alles in sich aufsaugen will und endlich verstehen will, wie die Fee in die Situation gekommen ist, in der sie jetzt feststeckt. Es gibt keine langweiligen Klischees, keine Dinge, die irgendwie schon mal da gewesen sind und einen deswegen langweilen könnten. Für mich ist die gesamte Geschichte bis zum jetzigen Zeitpunkt komplett unvorhersehbar und darum so wahnsinnig faszinierend. Danke für dieses Kunstwerk, Julia!

Gesamtwertung 

Die Magie, die mich schon beim ersten Teil der Fee so fasziniert hat, hat nun auch beim zweiten Teil Die Dreizehnte Fee - Erwachen komplett von mir Besitz ergriffen. Ein Buch wie dieses habe ich noch nie in den Händen gehalten und ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft kaum ein Buch geben wird, dass hier mithalten kann. Es ist einzigartig in seiner Geschichte, seiner Komposition, seiner Idee und Julia Adrians Schreibstil ist einfach unvergleichlich. Bitte hör niemals auf zu schreiben, bitte lass die Fee niemals enden, denn ich würde sie wirklich schrecklich vermissen! Und weil ich eben schon so viel geschwärmt habe, fällt mir jetzt nichts mehr ein. Die Dreizehnte Fee sollte jeder gelesen haben! Lieblingsbuch! Ende!




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- Eure Bücherfüchsin