Donnerstag, 15. Oktober 2015

[Rezension] Ally Taylor: Gefühlsgewitter (1)

Autor: Ally Taylor
Genre: Romance, New Adult, Slice of Life
Freigabe: Keine
Erschienen: 01.10.2015
Seiten: 272
Einband: Taschenbuch
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51811-3
Preis: 8,99€

Rating: 




Inhalt

"Als Katie auf der Highschool den mysteriösen Bad Boy Dillen kennenlernt, zieht er sie an wie ein Magnet. Dabei war ihre Welt bisher alles andere als rosarot, denn seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters lebt sie bei ihrer lieblosen Mutter in der Kleinstadt Oceanside. Dillen weckt in Katie eine nie gekannte Leidenschaft, und bald ist sie ihm mit Haut und Haaren verfallen. Obwohl Dillen sich zunächst kühl und abweisend gibt, verlieren sich die beiden in einem Strudel aus wilden Träumen und heißem Verlangen. Doch dann holt die Realität sie ein …" - Quelle: Verlag


Cover  

Wieder ein Fotocover, aber diesmal ein wirklich schönes! Ich liebe die Art und Weise, wie die Protagonisten in Szene gesetzt wurden: verträumt aneinandergeschmiegt, kurz bevor es zu einem lang ersehnten Kuss kommt - es spiegelt eine Szene im Buch so genau wieder, dass ich nur applaudieren kann. Das Schöne ist hier, dass durch die Darstellung der beiden Körper, ohne Abbildung Gesichts, genug Platz für die eigene Fantasie bleibt, sich die Charaktere selbst vorzustellen. Ich mag diesen voyeuristisch-vorsichtigen Blick von der Seite und musste während des Lesens immer wieder mal auf das Cover schauen, um meine Vorstellungen mit der Abbildung zu vergleichen. Dass die Kleidung der beiden genau zu dem passt, was auch im Text immer wieder beschrieben wird, finde ich hier ein schönes Schmankerl am Rande. Schönes Cover - ich mag's!

Charaktere  

Katie Williams: Was soll ich sagen? Mit Katie wurde ich während des Lesens einfach nicht wirklich warm. Wir beide hatten eine schwierige Zeit miteinander. Zu Beginn der Geschichte finden wir Katie als ein seelisch vollkommen zerstörtes Mädchen vor, das die Welt nur durch einen grauen Schleier der Melancholie, Trauer und Gleichgültigkeit betrachtet. Ich weiß, was es bedeutet, einen wichtigen Menschen im Leben zu verlieren und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie man sich dabei fühlt. Trotzdem war ich nach mehreren duzend Seiten nicht mehr ganz so verständnisvoll für die ewig andauernden, tristen Innensichten, ihr bockiges, abweisendes Verhalten gegenüber den Menschen um sie herum und vor Allem für ihr ewiges Selbstmitleid. Das übrigens wie weggeblasen ist, als sie dem unglaublich gut aussehenden Dillen in die Arme stolpert und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Innerhalb von wenigen Tagen (ich glaube, es waren ungefähr 3) entwickelt sich eine heiße, herzzerreißende Liebesgeschichte mit ihm, voller Drama und ... Tränen. Katie weint viel. Sie weint selbst dann, wenn sie gar keinen Grund dazu hat. Irgendwann ist es einfach auch Mal gut. Trotz ihrer stoischen, abweisenden Art und dem vielen Geweine schafft sie es trotzdem, dass sich nicht nur Dillen, sondern gleich noch drei weitere Männer für sie interessieren oder wahlweise verlieben. Kaum - und das sagt sie selbst - hat sie mit Dillen etwas mehr als 8 Sätze gesprochen, ist sie erfüllt von Liebe und bereit, am zweiten Tag mit ihm ihr erstes Mal zu erleben, denn sie haben einen ganzen Nachmittag zusammen mit Reden verbracht ... und deshalb ist er der Richtige. Ich konnte darüber nur den Kopf schütteln. Ich hätte es verstanden, wenn die Autorin zumindest längere, klar erkenntliche Zeitsprünge von mehreren Wochen eingebaut hätte, aber so...? So wirkte es über alle Maßen unglaubwürdig.

Dillen Walker: Vom ersten Moment an ist er Katies Objekt der Begierde ... ja, gerade zu Obsession. Er ist ein unnahbarer Typ mit undurchdringlichem Blick, leicht nach unten verzogenen Lippen und einer traumhaft-muskulösen Statur. Doch natürlich verbirgt sich hinter seiner harten Schale nicht nur ein weicher Kern, sondern auch ein so dunkles Geheimnis, dass er die ganze Liebesgeschichte mit Katie nicht wirklich an sich heranlassen kann. Eigentlich ist er ein richtiger Womanizer, der gerne auch Mal für eine schnelle Nummer offen ist, aber die kurze Bekanntschaft mit Katie scheint ihn so zu berühren, dass er in ihr nicht nur Fleisch, sondern eine Frau sieht. Er hat einen außerordentlichen Beschützerinstinkt und eine in sich brodelnde Wut, die manchmal ganz unvorbereitet hervorbricht. Ein Herzensbrecher sondergleichen. Ich mochte ihn gern, aber er hat mich nicht wirklich überzeugt oder überrascht. Für ihn gilt das selbe, wie für Katie: nach ein paar kurzen Tagen, ein paar wenigen gewechselten Sätzen verliebt er sich Hals über Kopf und ist bereit, alles für sie zu tun. Gerne will ich an Liebe auf den ersten Blick glauben, aber so schnell ... geht das mit der Liebe und dem Vertrauen dann doch wieder nicht.

Andrew MacDougall: Und wieder mal ist es der Side-Kick, der mein Leserherz in Flammen setzt und nicht nicht die Erscheinung des eigentlichen Helden. Irgendwie passiert mir das ständig! Andrew ist Katies Stiefbruder, der Sohn ihres Stiefvaters und somit nicht mit ihr verwandt. Trotzdem leben sie gemeinsam mit der Familie in dem riesigen Familienanwesen und freunden sich gleich am ersten Abend an. Andrew kifft, säuft und steht auf illegale Autorennen, aber im Umgang mit Katie ist er ein wahrer Gentleman und zeigt seine wahre, weiche, fürsorgliche Seite. Im Gegensatz zu Dillen ist er stets gut gelaunt (was vielleicht oder vielleicht auch nicht an seinem Marihuana-Konsum liegen könnte), immer für Katie da und sieht dazu auch noch wahnsinnig gut aus. Natürlich verliebt er sich schon innerhalb der ersten zwei Tage Hals über Kopf in seine Stiefschwester, ist stets da, wenn sie jemanden zum Reden oder Weinen braucht und kümmert sich liebevoll. Gleich von Anfang an bietet er ihr seine Nummer mit den Worten 'Wo immer du auch bist, ich bin nur einen Anruf entfernt'. Wirklich ein lieber Kerl, der aber im Vergleich zu Dillen für Katie absolut uninteressant ist. Schade. Aber es wäre vielleicht einfach zu einfach gewesen!

Schreibstil  

Zuerst dachte ich: Wow! Was für eine tolle, bildgewaltige Sprache mit tollen Beschreibungen von Gedanken und Gefühlen, genauso, wie ich es am liebsten habe! Wirklich, Ally Taylor Schreibstil ist toll und hat ein großes Potential. Aber schon nach wenigen Seiten habe ich gemerkt, dass sich die schönsten (und manchmal auch die nichtigsten) immer und immer wiederholt haben. Immer das Ziehen in ihrem Bauch, immer seine Hände auf ihrem Körper, immer und immer wieder das selbe Bild, wie Lippen aneinander saugen oder sich Tränen in ihren Augen sammeln. Manche Formulieren kamen sogar drei oder vier Mal auf gleiche Weise oder nur leicht abgewandelt vor, sodass ich mir gegen Ende des Buches wirklich ein bisschen blöd vorkam und mich fragte, ob ich mir das vielleicht nur einbildete. Aber nein: Wiederholungen über Wiederholungen. Es ist, als habe die Autorin diese paar Formulierungen auswendig gelernt, um sie immer dann rauszuholen, wenn ihr gerade die Worte fehlen. Schade eigentlich, denn ich glaube, es gibt genug Worte auf der Welt, um das Liebesspiel zwischen zwei Menschen zu beschreiben, wenn auch niemals die richtigen, um es in all seiner Tiefe zu erfassen. Schade...

Handlung  

Für einen Liebesroman ist die Handlung sehr typisch und klischeebehaftet (daraus wird allerdings auch im Anhang des Buches kein großer Hehl gemacht, denn dort steht eigens geschrieben: "Ally Taylor ist die, die [...] im Klischee badet [...]." S. 265). Wie ich weiter oben schon angemerkt habe, verlieben sich die beiden Protagonisten auf den ersten Blick in einander und binnen weniger Tage geht es Schlag auf Schlag: ein Drama folgt auf das nächste, dann das erste Mal, dann der große Showdown mit Eifersuchtsszene, dann die schöne, romantische Versöhnung. So sind die meisten Bücher des Genres aufgebaut und für gewöhnlich habe ich damit auch kein großes Problem, solange es zumindest glaubwürdig bleibt. Die Tatsache, dass sich die komplette Handlung innerhalb von drei bis vier Tagen abspielen soll, da keine anderen zeitlichen Angaben gemacht wurden, und Katie schon nach 8 mit Dillen gewechselten Sätzen der Meinung ist, dass er der Mann fürs Leben ist, das kam mir so aus der Luft gegriffen vor, dass ich eher enttäuscht als beglückt zurückblieb. Auch, dass Katie - trotz dem sie mir schrecklich unsympathisch war - gleich drei Männern einen Korb geben musste trug nicht gerade zur Glaubwürdigkeit des Romans bei. Es war dann doch ein bisschen too much.

Gesamtwertung 

Ich hatte keine übermäßigen Erwartungen bei diesem Roman, das muss ich zugeben. Trotzdem hat er mich mit seiner übertriebenen Unglaubwürdigkeit, seiner unsympathischen Protagonistin und dem für mich viel zu schnellen Handlungsablauf trotzdem eher enttäuscht. Liebe auf den ersten Blick schön und gut, aber doch sollte man auch hier die Grenzen der Realität nicht überschreiten. Ich denke, für Leser, die sich gerne in Klischees verlieren (was ich ja auch gerne mal tue), sich von Romantik, Drama und Herzschmerz mitreißen lassen und sich dabei nicht von den Wiederholungen in der Beschreibung stören lassen, für die ist es bestimmt ein toller Roman für Zwischendurch. Auch ich habe das Buch interessiert verfolgt und musste gegen Ende feststellen, dass ich bei der finalen Versöhnung doch ein leichtes Lächeln auf den Lippen hatte, weil es irgendwie niedlich war. Auf jeden Fall sollte man hier nicht das größte romantische Abenteuer des Jahres erwarten.





Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action

Vielen herzlichen Dank an die
Verlagsgruppe Droemer Knaur
die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!



- Eure Bücherfüchsin