Mittwoch, 30. März 2016

[Rezension] Colleen Hoover: Maybe Someday

Maybe Someday

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: 18.03.2016
Seiten: 432
Einband: Paperback
Verlag: dtv
ISBN978-3-423-74018-0
Preis: 12,95€ [D] | 13,40€ [Ö]

Rating: 


Inhalt

"Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem attraktiven Gitarristen Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie - hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts gegen die immer intensivere Anziehung ausrichten, die sie zu unterdrücken versuchen - vergeblich." - Quelle: Verlag

Cover  

Dieses Cover war Liebe auf den ersten Blick. Vermutlich wäre ich auf das neue Buch von Colleen Hoover nicht einmal aufmerksam geworden, hätte mich die dezente Schönheit in der Gestaltung nicht gleich im ersten Moment absolut verzaubert. Die Farben harmonieren einfach wundervoll, die Schrift mag zwar auf den ersten Blick protzig und zu dominant wirken, doch wäre die Gesamtkomposition ohne den Geniestreich des Titels viel zu langweilig. Dass sich hinter den Buchstaben das Gesicht eines Mädchens verbirgt, ist mir tatsächlich erst aufgefallen, als ich das Buch selbst in den Händen hielt. Ich finde es unglaublich elegant gelöst, wie man sich hier um das reine Fotocover drumherum gemogelt hat. Auch wenn Sydney in Wahrheit blond und nicht rothaarig ist, stört mich dieser unterschied tatsächlich weniger, denn eventuell wäre das Cover dann farblich nicht halb so perfekt geworden. Ich kann nur die volle Punktzahl geben!

Charaktere  

Sydney: Das Schöne an Sydney ist, dass sie ein absolut normaler Mensch ist. Sie hat eine normale Familie, ein normales Leben, Probleme, die jeder von uns auch kennt. Finanzen, Freundschaft, Liebe. Sie ist buchstäblich das Mädchen von Nebenan, das von den wichtigsten Menschen in ihrem Leben verletzt und hintergangen wird. Ich konnte mich während des gesamten Buches wunderbar mit ihr identifizieren. Ihr Schmerz war mein Schmerz und umgekehrt - das hatte ich schon lange nicht mehr! Vor allem gefällt mir die Darstellung ihrer inneren Zerrissenheit in Kombination mit ihrer eigenen Selbstbeherrschung und der Vernunft, mit der sie Ridge stets begegnet, und die ihm eigentlich den Wind aus den Segeln nehmen sollte, stattdessen jedoch das Gegenteil bewirkt. Sydney ist kein kopfloses Huhn, dass sich einfach so von ihren Gefühlen hinreißen lässt, auch wenn sie es gerne wollte - sie erkennt, was für sich und für Ridge auf dem Spiel steht. Ein bisschen unglaubwürdig war jedoch die Tatsache, dass sie über den Verlust, mit dem sie zu kämpfen hat, bevor sich das mit Ridge und ihr entwickelt, so schnell und so einfach hinweg kommt. Auch wenn Zeitsprünge aufgezeigt werden und die Begründung, es wäre einfach nicht der Richtige gewesen, im Raum steht, fühlt es sich für den Leser so an, als flüchte sich Sydney in eine rein psychologische Abhängigkeit zu Ridge, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an ihre Vergangenheit zu verschwenden. Sie vertraut zu schnell wieder. Vielleicht ist sie aber auch nur eine starke Persönlichkeit, und hat dadurch eine besondere Kraft, die nicht jeder von uns kennt. Oder aber die Autorin hat entschieden, dass die Geschichte um Ridge viel interessanter ist, um sich auf die psychologische Glaubwürdigkeit zu konzentrieren. Either way... Sydney war ein toller, nachvollziehbarer Charakter für mich, in den man als Leserin wunderbar hineinschlüpfen kann. Allerdings kommt man so schnell nicht mehr aus ihr heraus, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte. 

Ridge: Über Ridge kann ich gar nicht so viel verraten, denn ansonsten würde ich ins Spoilern geraten. Doch eines kann ich euch sagen: Er ist wundervoll. Anders, als viele andere Protagonisten in diesem Genre, ist Ridge kein Macho, er ist kein dominanter Charakter, er hat kein übertriebenes Selbstbewusstsein, keine Kontrollsucht, nichts, das ihn zu einer dieser stereotypen Figuren macht, die sich Frauen von Zeit zu Zeit in ihrem Bett wünschen. Viel mehr ist er ein Typ, an den man liebend gern sein Herz verliert: Er ist zurückhaltend, liebevoll, ordentlich, humorvoll, sanft, zurückgezogen und von einer attraktiven Schüchternheit, gepaart mit einer eisernen Selbstbeherrschung, dass man sich manchmal auf die Zunge beißen muss, um ihn nicht lauthals zu verfluchen. Er weiß nicht, was er wirklich will, das ist sein größter Fehler, der ihm im Verlauf der Handlung mehrfach den Kopf kosten könnte. Und gleichzeitig ist er der moralisch anständigste, dafür aber nicht immer der vernünftigste Charakter, den ich kenne. Sydney hat ihr Herz an ihn verloren und mit ihr habe ich auch meins an ihr verloren. Manchmal ist es vielleicht gar nicht so gut, sich zu sehr mit einem Charakter identifizieren zu können. Wenn du drei Tage nach Beenden des Buches noch immer in Gedanken an eine fiktive Figur versinkst, stimmt irgendwas nicht... Oder die Charakterkomposition von Maybe Someday ist so großartig, dass du gar nichts dafür kannst!

Warren: Er ist Ridges bester - und eventuell sogar sein einziger - Freund und kostet diesen Status vollständig aus. Ohne Miete zu zahlen, hat er sich in Ridges Wohnung einquartiert, mit der Begründung, er würde schließlich ihre Band managen, und weil Ridge ein guter Freund ist, akzeptiert er es so. Immer wieder tauschen die beiden Knallköpfe die schrägsten Streiche aus und Warren, der eindeutig der temperamentvollere von beiden ist, schaut dabei nicht nur einmal in die Röhre. Er ist frech, laut, unflätig und oftmals auch ungezogen, ohne Manieren und schreckt nicht davor zurück, ihre neuste Mitbewohnerin gleich am ersten Abend zum Porno gucken einzuladen. Warrens Anwesenheit habe ich jedes Mal besonders genossen, denn er bringt Action und gute Laune in die Geschichte, ohne die einzigartige Atmosphäre des Romans zu stören. Er ist wohl in jeglicher Hinsicht das genaue Gegenteil zu Ridge, Zurückhaltung und Ordnung sind Fremdworte für ihn, doch das macht ihn nicht weniger liebenswert. Das und seine besonders pikante Beziehung zu Zickenkönigin Bridgette macht ihn zum perfekten Sidekick, Moralapostel und Freund gleichermaßen. Ein toller Charakter!

Schreibstil  

Colleen Hoover ist eine wahre Künstlerin, wenn es darum geht, Worte zu beherrschen, die einem unter die Haut gehen. Mit jedem ihrer Romane schafft sie Geschichten, Charaktere und Leidenschaften, die dem Leser unvergessen bleiben und besonders in Maybe Someday hat sie dieses Können mal wieder unter Beweis gestellt. Figuren und Gefühle erwachen unter ihrer Feder zum Leben, fühlen sich greifbar und realistisch an. Ich habe jedes ihrer Worte in mich aufgesogen, denn ich konnte die Zerrissenheit und Anspannung zwischen den Charakteren kaum ertragen: Ich musste einfach wissen, wie es ausgeht! Sie schafft es, mit ein paar wenigen und einfachen Worten, die übrigens auch auf Englisch äußerst leicht zu lesen sind, Welten zu erschaffen, in die man eintauchen und sich verlieren kann. Perfekt ist sie dabei noch lange nicht, so sind mir an mehreren Stellen immer wieder mal Wiederholungen aufgefallen, die mich irgendwann genervt mit der Stirn runzeln ließen (Der Satz "Er/Sie ließ sich gegen das Betthaupt fallen" war definitiv ein Satz, den ich viel zu oft lesen musste, bis ich ihn schließlich einfach übersprungen habe), trotzdem taten diese kleinen Fehler keinen Abbruch an dem, was Colleen Hoover mit ihren Worten in mir ausgelöst hat. Sie hat alte Wunden aufgerissen, mein Herz genommen, es zerschmettert und letztlich Stück für Stück wieder zusammengesetzt - das mag jetzt ein wenig theatralisch klingen, aber es ist die Wahrheit. Nichts als die Wahrheit. Auch wenn ich nicht garantieren kann, dass es jedem anderen auch so geht, der das Buch nach mir liest. Mir ging es so.

Handlung  

Die Handlung in Maybe Someday ist eigentlich davon geprägt, dass nichts passiert, weil nichts passieren darf, wir aber die ganze Zeit hoffen, dass etwas passiert, weil es unseren inneren Drang, unsere innere Zerrissenheit befriedigen würde, wir aber genau wüssten, dass wenn etwas passiert, wir es im Nachhinein bereuen würden. Mit 'wir' meine ich nicht nur uns Leser, sondern uns Leser und die Protagonistin, der in Anbetracht ihrer Situation die Hände gebunden sind. Verrückterweise passiert tatsächlich nicht wirklich viel, doch die Spannung, die allein von den kleinsten, unscheinbarsten Szenen ausgeht, ist spürbar und zugleich unerträglich. Ich stand beim Lesen derart unter Strom, dass ich das Buch geradezu verschlungen habe, weil ich die Spannung nicht ausgehalten habe, zu wissen, wie es denn nun ausgeht - ob das Ende mein Herz wieder zusammensetzen oder vollkommen in Stücke reißen würde. Ich finde es gehört zur großen Kunst eines Autors, seine Leser so sehr in seine Charaktere einfühlen lassen zu können, dass sie jeden einzelnen Moment mit ihnen aufsaugen, auch wenn nicht immer irgendwas Großes, Dramatisches passiert. Maybe Someday funktioniert viel subtiler, ja, auch mit dramatischen Szenen und Turning-Points, die ein Achterbahnfahrt der Gefühle mit sich bringen, aber sie sind so gut gestreut, dass man sich freut, wenn die Handlung einen mal kurz oder auch mal länger verschnaufen lässt. Ich weiß nicht so recht, ob ich mich mit dem Ende 100% anfreunden kann. Doch das zu begründen, würde Spoiler mit sich bringen, deswegen lasse ich diesen Punkt eben offen. 

Gesamtwertung 

Maybe Someday hat mich tief berührt. Es hat einen Punkt in mir berührt, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn habe. Es gibt Liebesgeschichten, die sind herzzerreißend, sodass ich vor lauter Tränen nicht weiterlesen kann. Es gibt Liebesgeschichten, die sind so seicht, dass sie nicht einmal an mich herankommen. Und es gibt dieses Buch, das mich so tief aufwühlt, dass ich noch Tage später nicht aufhören kann an es zu denken. Ich liebe die Charakterkonstellation, die Figuren, die Thematik, die Musik (die ich hier nicht groß besprochen habe, aber hört unbedingt rein! www.maybesomedaysoundtrack.com), die Atmosphäre, den Schreibstil, ich liebe, was dieses Buch mit mir gemacht hat und, dass es eine fünfstündige Bahnfahrt auf gefühlte 40 Minuten reduziert hat. Wer große - und kleine - Liebesgeschichten mit viel Gefühl und ein bisschen pikantem Schmerz liebt, der sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Denn ich glaube, es hat sich in der viel zu kurzen Zeit, die ich mit ihm hatte, zu einem meiner Lieblingsbücher entwickelt. Absolute Empfehlung!




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- Eure Bücherfüchsin
 

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