Dienstag, 12. April 2016

[Rezension] Colleen Hoover: Maybe Not

Maybe Not

Autor: Colleen Hoover
Genre: New Adult, Romantik, Slice of Life
Erschienen: Dezember 2015
Seiten: 160
Einband: eBook [auch als TB verfügbar]
Verlag: Simon & Schuster
ISBN9781501125713
Preis: 2,49$ [Amazon-eBook-Preis]

Rating: 


Achtung! Zurzeit nur auf Englisch verfügbar!

Inhalt

"When Warren has the opportunity to live with a female roommate, he instantly agrees. It could be an exciting change. 

Or maybe not. 

Especially when that roommate is the cold and seemingly calculating Bridgette. Tensions run high and tempers flare as the two can hardly stand to be in the same room together. But Warren has a theory about Bridgette: anyone who can hate with that much passion should also have the capability to love with that much passion. And he wants to be the one to test this theory. Will Bridgette find it in herself to warm her heart to Warren and finally learn to love? 

Maybe. 
Maybe not." - Quelle: Verlag


Cover  

Zugegeben, das (englische) Cover von Maybe Not spricht mich jetzt nicht unbedingt an. Langweilige, reinweiße Bettwäsche auf der in großen Lettern der Titel der Spin-Off-Novel prangt, darunter in blinkendem Rot der Name der Autorin ... Das Einzige, was mir beim Anblick dieser Gestaltung in den Sinn kommt ist: 'Oh, eine oberflächliche Bettgeschichte'. Dass sich in den Großbuchstaben des Titels ein weiteres Bild versteckt, nämlich das eines sich küssenden Pärchens, habe ich tatsächlich erst auf den fünften Blick gesehen. Und leider muss ich zugeben, dass es meinen ersten Eindruck des Covers nicht mehr sonderlich beeinflussen konnte. Es ist langweilig, einfallslos und vermittelt nicht nur ein falsches Bild der Geschichte, sondern wird ihr auch ihn keiner Weise gerecht. Im Laden würde ich diesem Buch keinerlei Beachtung schenken. Zum Glück habe ich es als eBook gekauft und gelesen, sodass ich mich nicht ständig über das lieblose Äußere ärgern musste. Ich kann nur hoffen, dass unsere deutschen Verlagsmenschen mehr Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung des Covers haben, sollten sie es jemals lizensieren und veröffentlichen - Ich würde es dem Buch wünschen.

Charaktere  

Warren: In meiner Rezension zu Maybe Someday habe ich meinen ersten Eindruck zu ihm als Charakter bereits preisgegeben, in Maybe Not hat er diesen sogar noch übertroffen: In der Hauptgeschichte, in der er ja leider nur eine relativ kleine Rolle spielt, vermittelte er mir immer den Eindruck, man könne ihn einfach nicht ernst nehmen, selbst dann wenn er auf jemanden furchtbar sauer ist. In ihm vereinten sich Naivität und Unreife mit einer großen Portion Herzlichkeit und Offenheit. Kurz um: Man muss Warren einfach lieb haben. Aber man kann ihn einfach nicht ernst nehmen - so dachte ich. In seinem Versuch, Bridgette zu lieben und zu hassen gleichzeitig, mit ihr den emotionalen Eiertanz zu bestreiten, ihre eisige Hülle anzukratzen, hat ich mich vollkommen davon überzeugt, dass in ihm doch etwas von dem vernünftigen 'Ich-will-mich-an-dich-anlehnen'-Mann steckt, den Frauen heutzutage noch immer so verzweifelt suchen. Und nicht nur das große Kind, das nicht eine Sekunde ernst bleiben kann, und sich ganz ungeniert Pornos im Gemeinschaftswohnzimmer anschaut, unabhängig davon, wie seine Mitbewohner das eigentlich finden. Apropos Pornos: In Maybe Not erfährt man übrigens endlich, warum Warren so viel Zeit darauf verwendet, sich den ganzen Tag Schmuddelfilme anzusehen. Das solltet ihr aber ganz allein herausfinden!

Bridgette: Auch hier muss ich wieder ein kleines Geständnis ablegen. Ich mag Bridgette nicht besonders. Von Anfang an nicht. Ich weiß, ich weiß, wahrscheinlich werdet ihr jetzt entweder Lachen oder mit den Schultern zucken, weil ihr wisst, dass Bridgette nämlich eines ganz bestimmt nicht ist - nämlich zum Liebhaben. Aber ich erkläre euch jetzt auch warum. Eigentlich hat es ja so seinen Reiz, endlich mal einen Charakter zu erleben, der bissig, immer mies gelaunt, unnahbar und verdammt gemein ist. Blöderweise kann sie mich mit diesen Eigenschaften überhaupt nicht überzeugen. Ja, sie will mit ihrer harten Schale ihren doch so weichen Kern schützen, weil sie eine wirklich ach so schlimme Kindheit hinter sich hat. Trotzdem kam ich über einen Gedanken nie hinweg: 'Verdammt, so benimmt sich doch keiner!'. Bridgette wirkt auf mich nicht wie ein realer Mensch - ganz im Gegenteil zu Ridge (Maybe Someday) beispielsweise - sondern wie das aufgeplusterte Konzept des Menschen, den sie eigentlich darstellen soll. Alles an ihr wirkt aufgesetzt und übertrieben, so, dass ich über sie vielleicht ein oder zwei Mal schmunzeln kann, sie mir im Großen und Ganzen einfach nicht vorstellen kann. Ich konnte - und kann es bis heute nicht - keine Verbindung zu mir aufbauen, sie war mir beinahe gleichgültig. Ich habe ihre Handlungen, Reaktionen, Intentionen und Gefühle nicht verstanden oder nachvollziehen können, weshalb mir der Ausgang ihrer Geschichte eigentlich relativ egal war. Das wurde auch nicht besser, als Warren es schafft, ihr zumindest irgendwie näher zu kommen. Eigentlich habe ich Maybe Not nur für und wegen des gutmütigen Warren gelesen, in der Hoffnung, dass auch er endlich die Liebe seines Lebens findet. Tut mir leid, Bridgette. Es liegt nicht an dir. Ich glaube, es liegt allein an mir. Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute.

Schreibstil  

Wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt, dann wisst ihr sicherlich, dass ich Colleen Hoover für ihren Schreibstil sehr bewundere. Sie schafft es wirklich, etwas in meinem Inneren zu berühren, ohne dabei besonders ausgefallen oder schmalzig zu werden. Auch in Maybe Not stellt sie ihr können wieder unter Beweis, diesmal allerdings auf eine ganz andere Art! Die gesamte Novelle ist nämlich aus Warrens Sicht geschrieben, was der ganzen Geschichte nicht nur die Ernsthaftigkeit nimmt und ihr eine gesunde Portion gut getimten Humor hinzufügt, sondern auch für Leser, die nicht so geübt darin sind, Englisch zu lesen oder zu verstehen, sehr gut und sehr leicht zu lesen ist. Wer schon immer Mal nach einer Gelegenheit gesucht hat, ein kurzes Buch auf Englisch zu lesen, um zu sehen, wie weit man kommt, dem kann ich Maybe Not sehr ans Herz legen: Ihr werdet sicher keine großen Probleme haben. Und dazu ist es auch noch für den ein oder andere Lacher gut. Besonders beeindruckend fand ich, dass Colleen seine Gedanken so authentisch zu Papier gebracht hat. Im Gegensatz zu Bridgette dachte ich mir so oft: 'Ich wusste es! Männer denken so!' - Vielleicht bestätigt sie mir damit aber nur, was wir Frauen von Männern denken, als die tatsächliche Wahrheit. Aber Männer denken doch nun mal oft an Sex - oder? Ich kann nur empfehlen: Gebt dem Buch eine Chance. Es ist einfach faszinierend zu beobachten, wie Colleen es schafft, ihren Schreibstil an die verschiedenen Tonarten ihrer Charaktere anzupassen. Und noch faszinierender, die Gedanken dieser Charaktere tatsächlich auch zu denken.

Handlung  

Nur mal so zur Warnung vorweg: Maybe Not ist eine Spin-Off-Novel, das bedeutet, es ist eine kurze Nebengeschichte, die sich zeitlich mit der Hauptgeschichte von Maybe Someday überschneidet, jedoch vom Umfang her nur etwa die Hälfte umfasst. Dass auf knapp 200 Seiten jetzt nicht so wahnsinnig viel passieren kann, sollte damit klar sein. Tatsächlich spart Colleen hier an Zeit, indem sie immer wieder gut gezielte Zeitsprünge einbaut, die der ganzen Geschichte eine Dynamik verpassen und sie nie langweilig werden lassen. Wir begleiten Warren und Bridgette über ihr erstes Treffen, ihre ersten Streiche, ihre ersten Annäherungsversuche bis hin zu ihrem gemeinsamen Durchbruch (badumm tss!). Nebenbei erfahren wir pikante Details über Bridgettes Leben und ihren Hintergrund, Themen die in der Hauptgeschichte zugunsten von Ridge und Sydney eher kurz gehalten wurden. Und wir erfahren, dass Warren eine Schwester hat, die ihr Leben irgendwie nur so halb auf die Reihe kriegt. Und dann gibt es da noch ... Streit. Viel Streit. Auch wenn der beim Leser meistens eher ein wissendes Schmunzeln als ein dramatisches Seufzen oder ein genervtes Augenverdrehen hervorruft. Die Handlung war kurz, knackig, geprägt von vielen Auf und Abs, aber allen voran eines: Sehr pikant und sehr sexy! Das, was manchem Liebhaber gegenseitig körperlichen Aussprachen in Maybe Someday gefehlt hat, wird hier in geballtem Content nachgeholt. Aber keine Sorge, die Geschichte geht darin keinesfalls unter. Und wenn Liebe und guter Sex sich die Waage halten, hat man doch wirklich alles richtig gemacht?

Gesamtwertung 

Um es also mal auf einen Punkt zu bringen: Maybe Not ist eine niedliche kleine Nebengeschichte zum emotionalen Großmeisterwerk Maybe Someday und führt uns nicht nur in die Gedankenwelt des lieben, herzlichen und ein bisschen vertrottelten Warren ein, sondern bringt uns auch Bridgette etwas näher. Auch wenn ich, wie oben bereits begründet, mit ihr nicht so ganz warm geworden bin, habe ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt und hatte ein paar vergnügte Stunden mit dem Buch. Es ist humorvoll, sexy und so leicht geschrieben, dass es eigentlich auch für Anfänger der englischen Sprache ganz gut zu lesen ist. Besonders faszinierend ist, wie Colleen Hoover es schafft, mit ein paar einfachen Worten nicht nur ganze Tsunamis an Gefühlen auszulösen, sondern ihre Charaktere so individuell und treffend zu gestalten. Für jeden, der eine nette Auszeit braucht und nicht allzu viel Tiefe in der Story erwartet, ist Maybe Not definitiv ans Herz zu legen. Ganz besonders den Hoover-Fans unter euch. Viel Spaß!




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- Eure Bücherfüchsin