Samstag, 30. April 2016

[Rezension] Dominique Stalder: Der Wanderer - Die Schamanin (Extended Version)

Der Wanderer - Die Schamanin (Extended)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.03.2016
Seiten: 340
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ISBN: 978-3946446088
Preis: 5,49€ [eBook] / 14,99€ [Print]

Rating: 

Inhalt

"Bist Du schon mal geheimnisvollen Spuren gefolgt oder hast Dich auf eine Reise zu Deinem eigenen Ich gemacht? Als der Wanderer nackt und erinnerungslos am Strand erwacht, ahnt er noch nichts von der Reise, die vor ihm liegt. Unter der ewigen grauen Wolkendecke streift er durch das Land, welches unter den Fehden der ansässigen Fürsten leidet, auf der Suche nach sich selbst und seinem Schicksal. Die Schamanin Drakatia nimmt sich seiner an und lehrt ihm die Wege der Magie. Doch die Magd Myrael sieht schreckliche Dinge auf sie zukommen und als schwarze Reiter auftauchen, scheinen sich ihre Visionen zu bestätigen. Was haben die Reiter mit der Ankündigung Drakatias zu tun, in Kürze ein wichtiges Ritual zu vollziehen? Und wer schickt sie? Die Zeit rennt und dem Wanderer bleibt nicht viel Zeit die Wahrheit zu ergründen. Die neue überarbeitete Extended-Version »Die Schamanin« bildet nicht nur den Prolog einer umfangreichen Saga, sondern stellt auch gleichzeitig die Geburt des Wanderers dar. In fesselnder Weise erfahren wir, wie seine Reise beginnt und was den einsamen Held der Geschichte antreibt. Die kalte, nasse Welt des Wanderers, wartet also nur darauf von seinen Lesern erkundet zu werden und bietet den düsteren Auftakt eines langen Abenteuers." - Quelle: Amazon

Cover  

Da sich das Cover im Vergleich zur vorherigen Version nicht geändert hat, kann sich meine Meinung hier nicht großartig ändern. Auch nach mehrerem Betrachten finde ich die Farben unscheinbar aber gelungen in ihrer Komposition. Es sticht nicht sonderlich hervor, beweist dafür eine gewisse Bescheidenheit und die dunkel gehaltene Farbgebung signalisieren jedem interessierten Leser sofort Thema und Inhalt: Es ist Darkfantasy, ganz klar. Die Figuren sind sehr gut getroffen, besonders der Wanderer und die Schamanin sind wunderbar dargestellt: Drakatia strahlt eine Ruhe, Stärke und trotz ihrer sitzenden Haltung irgendwie auch Überlegenheit und Autorität aus, während der Wanderer sich eher in ihrem Hintergrund hält. Düster, hager und mit einem Vollbart trifft er meine Vorstellungen eigentlich auf den Punkt. Nur an der Dame links habe ich etwas zu bemängeln: Myrael sieht zu wenig zart und filigran aus, ihr Oberteil lässt sie aufgeplustert aussehen und ihre ganze Gestalt ist weniger detailliert geraten als der Rest. Trotzdem ein sehr schönes Cover, das ich immer wieder gerne betrachte.

Charaktere  

Haric: Der Wanderer, wie er zum Schluss des Prologs häufiger genannt wird, hat im Vergleich zur vorherigen Version eine angenehme Eigenschaft hinzugewonnen: Er entwickelt sich! Nicht, wie ein Pokémon, sondern eher wie ein runder Charakter nach Vorstellungen der Literaturwissenschaft. Während er zu Beginn ein unbeschriebenes Blatt in den Weiten einer düsteren, windigen und grausamen Welt umherwandelt, sich wie ein Feigling vor der Gefahr versteckt (Ja, Haric. Ich kann und werde dir nicht verzeihen, dass du nicht eingegriffen hast!), entwickelt er sich unter den Fittichen seiner Brotgeberin Drakatia zu einem starken Mann, der ihr zwar vertraut, aber nicht vor ihr kuscht, sondern sie eher so auf Augenhöhe betrachtet, wie eine gute Freundin. Er fühlt sich nicht mehr an wie die Fahne im Wind, sondern hat einen aufrechten Willen und beweist an mehreren Stellen sein Rückgrat. Besonders leiden konnte ich ihn deswegen allerdings nicht, was nicht unbedingt seine Schuld ist. Er ist auch kein Charakter, den man vergöttern soll, er ist eigenständig, individuell und obwohl ich nicht alles gut fand, was er tut oder sagt, wünsche ich ihm, dass er das, was er verloren hat, bald wiederfindet!

Drakatia: Die titelgebende Schamanin Drakatia hatte in der überarbeiteten Extended Version noch mehr Screentime als noch in der Version davor - was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat! Sie ist unglaublich klug, schlagfertig und humorvoll, dabei auch unsagbar mysteriös. Ich liebe ihre Art, unangenehme Gespräche so geschickt auszutarieren wie Akrobaten Messer auf der Nase balancieren und es macht mir sehr viel Spaß, dabei zu sein, wie sie Haric das ein oder andere Mal ins Genick fährt. Allerdings wirkte sie diesmal auf mich noch netter, noch viel verbundener mit ihren Schützlingen, was mir manche ihrer Handlungen einfach weniger verständlich gemacht hat als zuvor.  

Myrael: Die liebe Jungfrau in Nöten, wie ich sie in meiner vergangenen Rezension schon beschrieben habe, hat mir in dieser Version Kopfschmerzen bereitet. Während ich zuvor noch von ihrer zarten, zerbrechlichen und zugleich liebevollen Art fasziniert war, schlug mein Eindruck von ihr mehr und mehr um, je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte. Bei ihrem ersten Auftauchen ist sie noch genau das, was ich in ihr gesehen habe: Ein aufrechte und schützenswerte junge Frau, die genau das ist, was Haric nach all der Leere, die in seinem Kopf herrscht, unbedingt gebrauchen kann. Doch ab der Mitte des Buches wird sie von einer derart lähmenden Angst geschlagen, dass sie die meiste Zeit eigentlich nur zitternd, weinend und schweigend auf ihrem Bett sitzt, während der arme Wanderer versucht herauszufinden, was mit ihr nicht stimmt. Das war in der vorigen Version zwar auch schon so, doch wurden dort ihre angstvollen Momente von ihren wachen Momenten ausbalanciert. Durch den erweiterten Content bekommen wir eine unausgeglichenere Version von My: Sie ist nur kurz stark und freundlich, dann nur noch hilflos und passiv. Den Grund ihrer Furcht lernt man zwar kennen, trotzdem bleibt ihr Zustand einfach unzureichend erklärt - und so war von der zarten Blüte der Zuneigung zwischen Haric und ihr ein für mich unverständliches Wirrwar. Als moderne Frau in einer halbwegs emanzipierten Welt, hätte ich sie am liebsten geschüttelt und ihr in den Hintern getreten!

Schreibstil  

Der Autor hat bei der Überarbeitung seines Prologs gut arbeitet geleistet, was die elendig langen Innensichten des Hauptcharakters und seine unnötigen, irrelevanten Handlungen angeht, die ich in meiner Rezension zur ersten Version sehr bemängelt habe. Durch die fehlenden, ausufernden Beschreibungen fühlt sich die Handlung rasanter, spannender und inhaltsvoller an, was das Lesevergnügen steigert. Ganz verschwunden sind sie zwar nicht, das mussten sie aber auch nicht, denn gut gesetzt geben sie der Geschichte Detail und dem Leser die Möglichkeit, sich die Szenerie gut vorzustellen. Auch ansonsten ist sein Schreibstil noch immer schön gewählt und kunstvoll, ohne dabei versehentlich in Umgangssprache zu verfallen. Die Sätze wirken nicht mehr so oft stellenweise unbeholfen und alles in allem reifer als vorher. Trotzdem bin ich an einigen falsch verwendeten Redewendungen hängengeblieben. Die Beziehung zwischen Haric und Drakatia war wie immer schön und nuanciert beschrieben, während die zu Myrael wie oben angedeutet nicht mehr besonders überzeugend war. Eine wesentliche Sache habe ich allerdings noch zu bemängeln: Das Lektorat hat in dieser Version wirklich eine schlechte Arbeit geleistet. Das Buch ist voll von Tippfehlern und Kommafehlern: falsch gesetzte Kommas, fehlende Kommas, Kommas, wo keine hinsollen. Für die Bewertung eines Werks im Sinne des Autors finde ich Rechtschreibung nicht ausschlaggebend, denn es ist eigentlich Aufgabe des Verlags diese vor Veröffentlichung gründlich zu beseitigen. Ein oder zwei Fehler sind verzeihbar, aber in diesem Ausmaß kann ich hier nur von schlechter Arbeit sprechen.

Handlung  

Durch die Überarbeitung hat der Handlung des Prologs sehr gut getan: Die übermäßig in die Länge gezogenen Monologe wurden etwas eingestampft und machen damit Platz für neuen Content. Die gesamte Geschichte wirkt weniger gestreckt, dafür rasant und spannend, und es gibt immer wieder neue Aufhänger, die den Leser am Ball halten. Allerdings wirken nicht alle Begegnungen des Wanderers auch wirklich gleichermaßen sinnvoll: Manchmal, wie im Falle der Reiter zum Schluss (wer das Buch kennt, der wird wissen, was ich meine), fühlen sie sich willkürlich erzeugt an, ohne wirklichen Einfluss auf die eigentliche Handlung beziehungsweise die Reise des Wanderers zu haben. Sie sind einfach da, ohne groß etwas zu bewegen. Dann spürt man deutlich, dass manche Begegnungen eingeführt wurden, um etwaige Informationen ans Licht zu führen, nur um dann wieder irgendwohin zu verschwinden und nie wieder aufzutauchen. Funktional, aber mit wenig Einfluss auf den Leser. 

Gesamtwertung  

Der Wanderer - Die Schamanin ist der Auftakt zu Dominique Stalders Reihe um einen Mann ohne Erinnerungen, aber mit bestimmten magischen Fähigkeiten. Die Überarbeitung hat dem Roman definitiv gut getan: Neben vierzig zusätzlichen Seiten, einer Menge mehr Inhalt, weniger unnötigen Gedankengängen und einem irgendwie runder wirkenden Hauptcharakter, hat er mir sogar wesentlich besser gefallen als noch in der alten Version. Der Autor schreibt schön und detailliert, schafft es sprachlich aber nicht immer so präzise zu sein, wie er gerne möchte, wie mir an manchen Redewendungen und etwaigen Schreib- und Kommafehlern aufgefallen ist. Nichtsdestotrotz ist sein Werk spannend bis zum Schluss. Bloß Myrael hat es sich etwas bei mir verscherzt: Das liebreizend fürsorgliche Mädchen verwandelte sich in der Überarbeitung von der Jungfrau in Nöten zu einem zitternden, schweigenden Bündel ohne wirklichen Charakter, was ich sehr Schade fand. Umso besser und ausgefeilter wirken dagegen die beiden Figuren Haric und Drakatia, die einander nicht mehr wie Gönnerin und Diener, sondern wie zwei Gleichberechtigte begegnen - auch wenn das der Schamanin nicht immer so recht ist. Das Ende ist spannend und tragisch zugleich, verliert aber durch den fehlenden Bezug zu den anderen Charakteren - abseits der beiden eben genannten - an emotionaler Wichtigkeit für den Leser. Dennoch bleibt man gefangen, und der Wunsch, zu wissen, wie die Reise des Wanderers weitergeht, ist nach den letzten Seiten unbestreitbar vorhanden!



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