Samstag, 19. März 2016

[Rezension] Geneva Lee: Royal Desire (2)

Autor: Geneva Lee
Genre: Erotik, Romantik
Freigabe: Ab 18!
Erschienen: 14.12.2015
Seiten: 384
Einband: eBook
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0284-4
Preis: 9,99€ (eBook) / 12,99€ (broschiert)

Rating: 

Inhalt

"Enttäuscht und verletzt hat Clara ihre Beziehung zu Prinz Alexander nach einer letzten gemeinsamen Nacht beendet. Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihn zu vergessen – vergeblich. Die Erinnerungen an ihn, an ihre gemeinsame Zeit lassen sich nicht auslöschen. Und Alexander ist kein Mann, der so leicht aufgibt. Kann er Clara von seiner wahren Liebe überzeugen? Und wird sie zu ihm stehen, wenn er seine dunkle Vergangenheit vor ihr enthüllt?" - Quelle: Verlagsgruppe Random House


Cover  

Das Cover von Royal Desire wurde nach dem selben, schlichten Prinzip gestaltet wie schon Band Eins Royal Passion, und ich muss gestehen, dass ich mich - je länger ich mich mit dem Cover auseinandersetze - selbst immer wieder dabei erwische, von dem Cover magisch angezogen zu werden: Sei es online, auf meinem eReader oder im Laden, das elegante Silber, die hübschen Randverzierungen und der dezente Schriftzug in hübschen, wenig aufdringlichen Farben bringen mich dazu, es in die Hand nehmen und den Inhalt ergründen zu wollen. Ganz egal, ob ich es schon gelesen habe, ob ich es gut fand oder nicht... Ich bin so überrascht über eine so zielgenaue und hübsche Gestaltung, dass ich eigentlich nur fünf Punkt geben kann!

Charaktere  

Clara Bishop: Wer meine Rezension zu Band Eins schon gelesen hat, der weiß, dass ich mit Clara schon damals sehr hart ins Gericht gegangen bin. Auch in Royal Desire hat sie mich als Protagonistin jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen, trotzdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich diesmal weit weniger Probleme mit ihr hatte als zuvor. Trotzdem sie Alexander mit Haut und Haar verfallen ist und daraus auch keinen Hehl macht, bietet sie ihm diesmal mehrmals erfolgreich die Stirn, mit dem Hintergedanken, sich nicht alles von ihm gefallen zu lassen. Obwohl sie bei ihm regelmäßig schwach wird - was ich in Anbetracht seiner Unwiderstehlichkeit durchaus verstehen kann - weiß sie ganz genau, was sie will und was sie nicht will, und zögert nicht, ihm ihre und vor allem seine Grenzen aufzuzeigen. Abgesehen davon, dass sie es schafft, genug Rückrat zu beweisen, um meinen Respekt nicht zu verlieren, ist an ihr nicht besonders viel dran, was sie in irgendeiner Art und Weise einzigartig machen könnte. Sie hat weder besondere Vorlieben oder Abneigungen - auch nicht im sexuellen Sinne -, noch einen besonders spannenden Job oder zumindest irgendwelche Hobbies. Die Beziehung zu ihrer Familie wird zwar erwähnt, doch wirklich in Berührung kommt sie mit ihr so selten, dass man daraus auch nicht wirklich ein Charakteristikum machen kann. Eigentlich charakterisiert sie sich im Großen und Ganzen nur durch ihre Beziehung zu Alexander, die auf einem stets ermüdenden Spiel von Dominanz und Unterwerfung gründet, das wie halb herzig dahinkonstruiert, wenn nicht sogar abgeschaut wirkt. Mehr kann ich zu Clara eigentlich nicht sagen. Schade.

Alexander von Cambridge: Ich liebe Alexander, wirklich. Er ist ein Mann, wie er nur in den kühnsten Fantasien ein jeder Frau existieren kann: sexy, undurchschaubar, dominant, wortgewandt, charmant und von Zeit zu Zeit auf genau richtige Weise auch mal körperlich bedrohlich, wie es pure, Testosteron geladene Männlichkeit nun mal will. In Royal Desire war ich ihm sogar noch eine Spur mehr verfallen als noch in Royal Passion, was vor allem auf seine endlich durchscheinende, gefühlvolle Seite zurückzuführen ist - denn wer kann einem Mann widerstehen, der all diese Traummann-Eigenschaften besitzt und dann auch noch seinen weichen Kern offenbart? Niemand! (Oder zumindest niemand, der gerne auch mal Traumvorstellungen hinterherhechelt). Ein ganz ganz dicker Minuspunkt war aber auch in diesem Band wieder der grausam schlechte Dirtytalk, mit dem Alexander es schafft alles, was er sich bei mir so mühsam aufgebaut hat, wieder zunichte zu machen. Etwa alle fünf Seiten bespringt er Clara wie eine dreckige Wildsau und bombardiert sie mit peinlichen, unerotischen Phrasen wie 'Ich will deine Mus*** fi**en, bis [körperliche Ausfallerscheinung insert here]'. Mehrmals auf einer Seite lässt einen die vulgäre Sprache zusammenzucken, solange, bis man absolut abgestumpft und gelangweilt einfach weiterblättert, weil man sich denkt 'Ja, ja, macht hinne, ich will wissen, wie es weitergeht...'. Anders als Clara hat Alexander zwar prägende Dinge in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, die ihn auf seine ganz eigene Art schleifen, doch als eigenständigen Charakter konnte ich ihn dennoch nicht ernst nehmen. Statt normalen Gesprächen über Gott und die Welt geht es Alexander - auch wenn er es leugnet - immer nur um eins: Sex, Sex, Sex. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, doch lässt sich aus Sex allein eben keine glaubwürdige Beziehung aufbauen, die den Leser in irgendeiner Weise berührt. Sie mögen einander lieben, weil es so auf dem Papier steht, doch hätte ich gern mehr von den beiden gehabt als bloßes, ständiges Gerammel. Einmal weniger einlochen, einmal mehr ein tiefgreifendes Gespräch... das wäre alles, was ich mir wünsche. Colleen Hoover schafft es doch auch!

Schreibstil  

Ich weiß, ich habe den ersten Band der Reihe sehr gut bewertet, was den Schreibstil betrifft, doch ich musste nach Royal Desire mein Urteil noch einmal überdenken. Nicht, dass mir Geneva Lees Schreibstil nicht gefallen hätte, wenn es mal gerade nicht um Sex ging: Im Grunde hat sie einen schönen, flüssigen Schreibstil und weiß, wie sie mit Subtilität und Offensichtlichkeit gleichermaßen umgehen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Doch Sex nimmt in diesem Band einfach einen so unfassbar großen Teil der Geschichte ein, dass ich gar nicht mehr darüber hinwegsehen kann! Sex, schön und gut. Viel Sex - auch gut! Aber sehr viel Sex und gleichzeitig sehr viel Abwechslung ... nah. Doch eher ein no go. Ständig die selben Worte, die immer gleichen Phrasen, die immer und immer gleichen Abläufe. Er spielt mit ihr, sie unterwirft sich, will ihn in sich spüren, er rammelt sie besinnungslos bis hin zu drei Multiplen Orgasmen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Nach dem ersten Schuss kann er gleich weitermachen, ganz so als hätte er gleich mehrere bunte Liebespillen geschluckt, und hat sowieso den größten Schw*** von allen. Mal ehrlich. Sinnlich ist was anderes. Und glaubwürdig erst recht. Wenn es nicht gefühlt 90% des Buches ausmachen würde, hätte ich vermutlich nichts dagegen einzuwenden, doch das war nun doch etwas too much für mich. Nimmt man den schrecklichen, oberpeinlichen Dirtytalk dazu, bei dem ich mir regelmäßig das Lachen verkneifen musste, weil er an Banalität nicht zu überbieten war, reicht das schon, um das Buch nach 50 Seiten einfach beiseite zu legen. Doch auch wenn man den mit der Zeit langweiligen Teil der sexuellen Übernatürlichkeit hinter sich gelassen hat, bleibt man von ewigen Wiederholungen nicht verschont: Denn Claras stets auf Dauerschleife laufenden Gedanken darüber, wie heiß Alexander ist, wie sehr sie ihn vergöttert und andersrum, wie schwierig ihre Beziehung ist und ob sie das wirklich kann und will ... kann und will man nach kurzer Zeit schon nicht mehr hören. Sie hat kein anderes Thema. Keine anderen Sorgen. Muss das sein?

Handlung  

Wenn ich dachte, Royal Passion hätte bereits wenig Handlung gehabt, kann ich von Royal Desire bedenkenlos genau dasselbe behaupten: Es hat keine Handlung. Auf knapp 400 Seiten bekommen wir eine volle Ladung Sex, BDSM, Herzschmerz, Zweifel, Selbstzweifel und Selbsthass vom Feinsten, doch statt sich stets wiederholenden Phrasen und ein oder zwei äußerst konstruierten Spannungspitzen erleben wir mit Clara und Alexander eigentlich nichts. Wenn sie nicht gerade dabei sind, sich gegenseitig zu befingern, sorgen sie sich um ihre gemeinsame Zukunft unter den Royals, die allerdings viel zu wenig vorkommen, um einen Titel wie "Royal XY" überhaupt zu rechtfertigen. Wo ist der feine, englische Hof, wenn man ihn am meisten erwartet? Die Tea Time, die Dinner, die Jagden, die Bälle und Wohltätigkeitsveranstaltungen? Wo ist der teure Schmuck, die Etikette, die königliche Familie? Das bisschen, was die Geschichte zumindest auf irgendeine Weise interessant gemacht hätte, kommt viel zu kurz ... Schade darum. Ich habe Hoffnung, dass dieses Grundthema im dritten Band schließlich wieder aufgenommen und ausgekostet wird. Mal sehen!

Gesamtwertung 

Obwohl es in Bezug auf die Eigenständigkeit der Protagonistin und die Sexiness ihres königlichen Liebhabers durchaus Fortschritte gibt, haben mich Schreibtil und Handlung von Royal Desire geradezu in den Wahnsinn getrieben. Nicht nur war mir ständige Dirtytalk zuwider, weil ich mich ständig zwischen Fremdschämen und Loslachen zu entscheiden hatte, sondern auch die ewigen Wiederholungen - vor allem was die Gedanken der Protagonistin und die Beschreibungen des Akts an sich angeht -, die nicht vorhandene Handlung und die zwar konstruierte, aber dennoch viel zu kurz gekommene Rahmenhandlung haben mich mit mir hadern lassen, ob ich überhaupt weiterlesen sollte. Zum Glück hat meine Leidenschaft für Alexander ausgereicht, um mich am Ball zu halten. Und irgendwie will ich eben doch wissen, wie es ausgeht... Irgendwas scheint mich also doch beeindruckt zu haben. Hoffentlich schafft es der dritte und letzte Teil die Schwächen des zweiten auszubügeln und zumindest die Thematik des englischen Königsadels wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu ist allerdings ein bisschen weniger Gevögel und ein bisschen mehr Handlung nötig. Mal sehen...


Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action


Vielen herzlichen Dank an die

und den blanvalet-Verlag,
die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!


- Eure Bücherfüchsin
 

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