Montag, 7. März 2016

[Rezension] Kelley Armstrong: Schattenstunde - Die Dunklen Mächte (1)

Schattenstunde - Die Dunklen Mächte (1)

Autor: Kelley Armstrong
Genre: Jugendbuch, Dark Fantasy, Urban Fantasy
Erschienen: 2010 (Neuauflage 02.05.2013)
Seiten: 416
Einband: Hardcover
Verlag: PAN (Droemer Knaur)
ISBN978-3-426-50780-3
Preis: 8,99€ [D]

Rating: 


Inhalt

"Die dunklen Mächte begehren auf - Band 1 der "Darkest Powers"-Serie Ich heiße Chloe Saunders, und mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Ich wollte immer eine ganz normale Jugendliche sein. Doch heute weiß ich nicht einmal mehr, was das ist, normal sein. Alles begann an dem Tag, an dem ich meinen ersten Geist sah – und er mich. Nun kommen immer mehr Tote auf mich zu. Und da das alles andere als normal ist, wurde ich nach Lyle House geschickt – angeblich ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Aber da steckt mehr dahinter. Und die anderen Jugendlichen hier sind auch nicht einfach nur durchgeknallt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich muss versuchen, den dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn nur so kann ich die Toten, die immer näher kommen, zum Schweigen bringen …" - Quelle: Verlag


Cover  

Eines Vorweg: Da ich die Versionen der ersten Auflage von 2010 ergattert habe, bewerte ich das Cover der alten Ausgabe, da es das ist, unter dem ich selbst das Buch gelesen habe. Mir ist klar, dass es seit 2013 bereits ein anderes Cover gibt - zur allgemeinen Übersicht werde ich es am Ende der Rezension abbilden. Es fällt mir leichter, das alte Cover zu bewerten, da es mir weitaus besser gefällt als das Neue; und das, obwohl es ein Fotocover ist! Ich liebe, wie Schrift und Hintergrund in der Dunkelheit mit einem düsteren Blau in Szene gesetzt sind, wie Titel, Untertitel und Autorin den Großteil des Covers einnehmen, ohne störend oder Protzig zu wirken und wie geheimnisvoll das abgebildete Mädchen mit der Nacht verschmilzt. Abzüge gebe ich hier, weil die gezeigte Person - obgleich schön anzuschauen - in keiner Weise auf die Beschreibung der Hauptfigur Chloe Saunders passen will, ganz egal wie ich es drehe oder wende. Ich sehe in ihr einfach keine 15-jährige, etwas in sich gekehrte Schülerin, die in der Schule nie besonders aufgefallen ist. Nur ein hübsches Model über 20. Nichtsdestotrotz schafft es das Cover, die Gänsehautatmosphäre des Romans gut festzuhalten und gibt vor allem einen Vorgeschmack auf die darin vorkommende Örtlichkeit: Lyle House. Ich mag es!

Charaktere  

Chloe Saunders: Zuerst wurde ich nicht warm mit Chloe, was ein wohl immer wiederkehrendes Problem von mir mit Jugendbuch-Protagonistinnen ist. Sie kam mir vor allem unsympathisch und wie ein Fähnchen im Wind vor, die lieber den Mund hält und sich wie ein braves Mädchen verhält, anstatt sich für die Dinge einzusetzen, die sie wirklich glaubt. Doch glücklicherweise macht Chloe im Verlauf der Handlung eine solche Charakterentwicklung durch, dass ich meine anfängliche Meinung über sie gegen Ende hin einfach revidieren musste. Sie ist sehr intelligent und durchschaut die Situationen sehr schnell - und wenn sie einmal ratlos ist, stellt sie Überlegungen an, die sich mit denen des Lesers sehr stark überschneiden. Sie ist keine von diesen Protagonistinnen, die das Offensichtliche nicht sehen und erst mit der Nase in die Pfütze gedrückt werden müssen, um zu erkennen, was gerade vor sich geht. Das war sehr erfrischend! Auch, dass sie - aufgrund ihrer Leidenschaft für Film und Drehbuch - immer wieder intermediale Anspielungen macht und die Geschehnisse des Romans damit ein bisschen auf die Schippe nimmt, hat mir sehr gut gefallen. So denkt sie zum Beispiel häufiger: "Hm, also in einem guten Drehbuch wäre das jetzt so und so... aber nein, wir sind hier ja im echten Leben, das kann gar nicht sein!" Hat mir gut gefallen! Auch in Bezug auf Jungs entpuppt sich Chloe sehr schnell als angenehme Hauptfigur: Ihr vorrangiges Interesse bleibt immer, die Handlung so gut es geht voranzutreiben. Es gibt die ein oder andere Szene, in der sie errötet,weil sie einen Jungen Oberkörper frei sieht oder wenn er ihr ungewöhnlich nahe kommt, doch diese Szenen sind so rar und so natürlich beschrieben - sie ist immerhin 15 Jahre alt -, dass sie nicht stören. Es ist angenehm, dass Liebe in diesem Teil der Trilogie (ich weiß noch nicht, wie es mit den anderen Teilen aussieht) keine Rolle spielt, wie es in anderen Vertretern des Genres der Fall ist. Wenn Chloe lernt, ihre übernatürliche Gabe zu akzeptieren, wird sie ein zunehmend ernst zu nehmender Charakter. Ich bin gespannt, wo die Trilogie sie noch hinführt.

Derek Souza: Ich liebe Derek Souza! Und nein, er ist kein Märchenprinz! Es wird sogar an mehreren Stellen im Buch erwähnt, dass Derek Souza kein Typ ist, dem ein Mädchen im jugendlichen Alter auch nur einen zweiten Blick schenken würde. Er ist mitten in der Pubertät, riecht nach schweiß, hat ein pickliges Gesicht, ist riesengroß, ist schweigsam und grummelig und wenn er einmal den Mund aufmacht, halten ihn alle um ihn herum für ein großes Ar***lo**, weil er für andere Menschen, außer seinem Bruder Simon, kein Interesse hat. Außerdem ist er überdurchschnittlich stark und gleichermaßen intelligent, weshalb er sich von anderen Menschen generell lieber fernhält. Natürlich hat Chloe so ihre Probleme mit Derek, während sie in Lyle House darauf wartet, dass man sie wieder in das normale Leben eines Teenagers entlässt. Aber die Art und Weise wie sich die beiden im Laufe des Romans anfreunden, beide auf ihre Weise speziell und eigentlich ohne jegliche Sympathie füreinander... ist einfach niedlich. Und ja, ich sage 'anfreunden', weil sie sich wirklich einfach nur anfreunden. Das ganze war so erfrischend, dass ich mich ganz entspannt in die Handlung fallen lassen konnte, ohne vorher schon zu wissen, was passiert. Ein ganz toller Charakter, dem mehr Aufmerksamkeit zusteht, als ihm in seiner Welt so recht zu teil wird... Und dann ist da ja auch noch dieses dunkle Geheimnis, das ihn und seinen Aufenthalt in Lyle House umrankt. Seid gespannt!

Simon Bae: Simon Bae ist Halbkoreaner, äußerst charmant, ein großartiger Basketballer und schrecklich besitzergreifend und beschützend, wenn es um seinen Pflegebruder Derek geht. Die beiden sin gemeinsam bei seinem Vater aufgewachsen und teilen ein dunkles Geheimnis, das in diesem Teil des Buches leider noch nicht so wirklich aufgedeckt werden soll. Er ist zwar nicht der typische Frauenschwarm, in Anbetracht der Tatsache, dass es nur zwei Jungs in Lyle House gibt und sein Bruder diese Position nicht gerade erfüllt, jedoch ein irgendwie unfreiwilliger Anwärter auf diesen Platz. Ich liebe seine lässige Art und seine coolen Sprüche, ohne dass er dabei übertrieben machohaft wirkt. Auch bei ihm gilt das selbe, was ich schon bei Chloe für gut befunden hatte: Sein erstes Interesse gilt seinem Bruder, nicht irgendwelchen Mädchen. Obwohl er Chloe sehr gut leiden kann, was man anhand seiner Körpersprache gut ablesen kann, ist er ihr doch nicht verfallen und zieht sie auch nicht vor. Generell ist die Beziehung der beiden Brüder zur Protagonistin irgendwie zart, geradezu zerbrechlich, so wie sie nun einmal ist, wenn man sich gerade mal eine Woche lang kennt. Sehr schöne Charakterkonstellation! 

Schreibstil  

Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, aber ich bin ein großer Fan von Kelley Armstrong, obwohl ihre Bücher bereits seit mehreren Jahren nicht mehr oder nur noch in kleinen Mengen aufgelegt werden. Ich liebe ihre Otherworld-Reihe, die als Vorlage zur Serie 'Bitten' fungiert und fand schon damals, dass die Autorin einen außerordentlich tollen Schreibstil hat, der sich immer zwischen mystisch-düster, geheimnisvoll, humorvoll und sexy bewegt, ohne dabei übertrieben klischeehaft in die Sparte 'Romantasy' zu gehören. Ähnlich ist es auch bei Schattenstunde, mit dem Unterschied, dass sie sich hier das erste Mal auf das gefährliche Jugendbuch-Terrain begeben hat. 'Sexy' fällt hier also vollkommen raus, was übrig bleibt ist das, was oben schon genannt wurde: mystisch-düster, geheimnisvoll und auch zeitweise äußerst humorvoll. Es gab Momente, da habe ich gelacht, es gab Momente, da habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht und es gab Momente, die waren so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Alles in Allem hat sich Kelley Armstrongs Schreibstil für mich angefühlt, als würde ich 'nachhause kommen' - ein Gefühl das, wie jeder Buchliebhaber weiß, äußerst wertvoll ist, denn es bedeutet, dass man ein Buch jederzeit aufschlagen und in es hineintauchen kann, und sich dann, ganz egal was passiert, mit den Charakteren und dem Setting pudelwohl fühlt. Deswegen gibt es hier volle Punktzahl für mich!

Handlung  

So gut mir der Schreibstil von Schattenstunde auch gefallen hat, ein paar Kritikpunkte in Bezug auf die Handlung habe ich schon. Am meisten hat mich gestört, dass die ersten Hälfte des Buches leider so gut wie gar nichts passiert und man sich erst einmal so weit durchkämpfen muss, um mit den Charakteren und dem Setting überhaupt erst warm zu werden. Chloe denkt sehr viel, sie macht sich zum Teil Seiten lang Gedanken, was nun eigentlich mit ihr und mit Lyle House vorgeht, und wie sie das alles überhaupt erst verarbeiten soll. Weil sie sich in der ersten Zeit sehr stark vom Rest der Insassen absondert - was psychologisch gesehen auch relativ verständlich ist -, bekommen die anderen Charaktere erst sehr spät genug 'Screentime', um sie überhaupt als vollwertige Nebencharaktere und nicht nur als Randcharaktere wahrnehmen zu können. Zwar gibt es vereinzelt starke Szenen, die einen vor Spannung gar nicht mehr loslassen, aber die sind leider so weit gesät, dass sich die Handlung (zumindest am Anfang) anfühlt wie hoher Wellengang auf See: Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt, Spannung, Spannungsabfall, Tiefpunkt. Hat man dann den 'Zenit' der Handlung überschritten und die zweite Hälfte erreicht, wird es schlagartig so spannend, dass ich, die ich eigentlich immer sehr schnell einschlafe, die ganze Nacht durchgelesen habe. Chloe lernt, sich langsam mit ihrer Fähigkeit, Geister zu sehen, abzufinden, und hat so einige unheimliche, unheimliche Begegnungen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Und dann sind da ja auch noch die anderen Insassen von Lyle House, die allesamt so ihre ganz persönlichen Geheimnisse haben ... Wirklich, ein ganz tolles Buch, wenn man sich erst einmal durchgebissen hat. 

Gesamtwertung 

Ich habe es ja schon erwähnt, ich vergöttere Kelley Armstrong und Schattenstunde hat mir wiedereinmal bewiesen, warum ich das tue. Sicher, es gibt die ein oder andere Sache, die besser hätte sein können, wie etwa das Cover oder die Spannungskurve in der ersten Hälfte des Buches, doch rückwirkend gesehen kann ich beim Gedanken an dieses Buch eigentlich nur liebevoll lächeln. Die Charaktere sind - für Teenager - wirklich schön gezeichnet, mit Klischees ist Mrs. Armstrong sehr vorsichtig umgegangen und hat es geschafft, zumindest mit Chloe, Derek und Simon eigenständige, individuelle Charaktere zu erschaffen, die ihre Vor- und Nachteile haben und sich nicht von den gängigen Prototypen der Jugendbuch-Massenproduktion abholen lassen. Schattenstunde ist gerade zum Ende hin sehr, sehr spannend und hat die ein oder andere Szene, die so unheimlich und gänsehautverdächtig ist, dass ich es für die angestrebte Zielgruppe fast 'too much' finde. Immerhin geht es hier um Geister... und was man für schaurige Geschichten mit Geistern erzählen kann... das wusste ich bisher nicht einmal. Man könnte sagen, ich befinde mich hier auf absolutem Neuland. Und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen. Unbedingt reinlesen!


Die neuen Cover der Reihe:




Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action

- Eure Bücherfüchsin
 

Template by BloggerCandy.com | Header Image by Freepik