
Der Inhalt
Hilda liebt es, in ihrer Freizeit die fantastischen Weiten ihrer Heimat zu durchstreifen, zu zeichnen und sich mit den unterschiedlichsten Wesen anzufreunden. Eines Tages liest sie in einem Buch über das Leben der gefährlichen Trolle und wie man sich gegen sie schützen kann. Als sie in der Wildnis plötzlich doch noch über eine dieser seltenen Kreaturen stolpert, weiß sie ganz genau, was zu tun ist. Oder?
Reprodukt Verlag (März 2017) | aus dem Englischen von Matthias Wieland | Handlettering von Michael Hau |
40 Seiten | ISBN 978-3-95640-126-8 |
EUR 13,00 € [DE], EUR 13,40 € [A]
“Ich bin eine komplexe und vielschichtige Persönlichkeit.”
Weniger ist mehr

Ja, Hildas Geschichte umfasst nicht mehr als ein paar Seiten - 24, um genau zu sein - und doch steckt so viel Liebe in den Bildern und der Geschichte, wie sie so mancher gut gemeinter Marvel-Comic heute nicht mehr vorweisen kann. Satte, warme Farben, liebevolle Details und eine angenehme, runde Ästhetik machen es zu einem absoluten Genuss, lange auf einer einzelnen Seite zu verweilen und sich alles sehr genau anzuschauen. Die kindgerechten Zeichnungen sind leicht zu verfolgen und korrespondieren in ihrem einfachen Bildaufbau mit der recht unspektakulären Ordnung der Panels. Diese variiert zwar hin und wieder, bricht aber nie aus ihrem gewohnten Trott aus, sondern behält eine klare Linie bei.
Von kindlicher Emanzipation

Fazit
Hilda findet in einem Buch über "Trolle und andere gefährliche Kreaturen" so viel Wissenswertes, dass sie, als sie auf ihren Streifzügen einen echten Trollfelsen in freien Wildbahn entdeckt, sofort
weiß, was zu tun ist: Indem sie dem Troll, der von Natur aus nur Nachts aktiv sein kann, ein Glöckchen an die Nase bindet (bzw. binden lässt), weiß sie, wann er sich zu rühren beginnt. Doch bald muss sie feststellen, dass es sich bei der Sicherheitsmaßnahme um eine schreckliche Grausamkeit handelt, denn Trolle können das Geräusch der Glöckchen eigentlich nicht ertragen. In diesem von erwachsenem Einfluss fast vollständig autonomen Raum lernt Hilda auf eigene Weise die Grenzen ihres Tun und Handels kennen. Indem sie sich eigenständig und neugierig an die Welt herantastet, die sie umgibt, lernt sie direkt von ihr, statt bloß über sie. "Hilda und der Troll" ist nicht nur rein künstlerisch ein unfassbar schönes Werk, es fordert seine Leser auch dazu auf, den kindlich-neugierigen Blick auf die Welt nicht zu verlieren, den jeder Mensch von Grund auf in sich trägt. Hilda lehrt uns, offen zu sein, und keine Furcht davor zu haben, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Eine wunderschöne Graphic Novel, die ruhig mehr Seiten haben dürfte, um uns Hildas fantastische Welt und ihre Wesen noch etwas näher zu bringen. Dafür freue ich mich umso mehr auf den nächsten Band!

Wertung
♥♥♥♥
Vielen herzlichen Dank an den
Reprodukt Verlag
für das Rezensionsexemplar!