Montag, 18. Dezember 2017

[Rezension] Thomas Brezina: Knickerbocker4immer - Alte Geister ruhen unsanft


Knickerbocker4Immer - Alte Geister ruhen unsanft

Autor: Thomas Brezina
Genre: Mystery, Krimi, Abenteuer, Jugendbuch
Erschienen: 9. November 2017
Seiten: 416
Einband: Hardcover
Verlag: ecowin
ISBN978-3-7110-0161-0
Preis: 18,00€ [Print] | 13,99€ [eBook]



Rating: ♥♥



Inhalt

"Aus dem Streit wurde Schweigen. Aus Tagen wurden Monate. Aus Monaten wurden Jahre. Aus der verschworenen Bande wurden Fremde und Erwachsene, die ihren Weg gingen. Allein. Bis zu jenem Brief. Die Einladung zu einem Treffen der vier Knickerbocker kam überraschend für jeden Einzelnen von ihnen. Aber die Dringlichkeit des Schreibens ließ ihnen keine Wahl. Es musste ein Wiedersehen geben – nach 20 Jahren. Auf Canon Island, der Insel des Schreckens, wartete man geduldig auf ihr Eintreffen und beobachtete jeden ihrer Schritte. Wie schon damals, vor dem Streit. Alles war geplant und vorbereitet. Das Projekt ging in seine entscheidende Phase." - Quelle: Verlag


Cover ♥♥

Kennt man die Bücher von Thomas Brezina zumindest von außen, wird man bei diesem Buch definitiv das gewohnte Muster in der Covergestaltung erkennen: Ein breiter, roter Rahmen umgibt ein Bild unserer Helden, auf dem sie im Schatten, die Gesichter nicht erkennbar, aber durch die Umrisse klar als Erwachsene zu identifizieren, abgebildet sind. Darüber steht in weißen Lettern der Titel des Bandes, rechts darüber die Reihenzuordnung: Knickerbocker4immer. Der Name des bekannten österreichischen Kinderbuch-Autors Thomas Brezina ist dagegen am oberen Ende des Covers fast dezent angegeben, was ich dem Verlag hinsichtlich seiner Bekanntheit im deutschsprachigen Raum definitiv zugute kommen lassen muss - die Anordnung und Größenverhältnisse zeigen, dass man hier nicht hauptsächlich mit dem Autor, sondern mit der Geschichte selbst werben möchte. Die Tatsache, dass der Reihen-Titel im Vergleich zum Buchtitel relativ klein ausgefallen ist, zeugt davon, dass man hier einen Neustart wagt und neuen Lesern, die die Knickerbocker Bande nicht kennen, eine Chance geben will, die vier Nachwuchs-Helden neu kennen zu lernen, ohne sich von dem Gedanken an "Oh-Gott-eine-Reihe-lieber-nicht" abschrecken zu lassen. Farbe und Komposition des Covers sind definitiv gut, ansprechend und strategisch gewählt - die Schattenansicht der Helden lädt zur eigenen Imagination ein, hat dabei definitiv etwas Geheimnisvolles an sich, so als würde man mit dem Buchdeckel eine Akte X aufschlagen. Meiner Meinung nach hätte der rote Rahmen jedoch nicht sein müssen, er ist störend und erinnert zu sehr an (die) Kinderbücher, was ihm seine Ernsthaftigkeit raubt und ihn für die Rubrik der Jugendbuchs fast schon disqualifiziert. Als junge Erwachsene signalisiert mir dieses Cover nicht, dass es für meine Altersgruppe geschaffen ist.

Charaktere ♥♥♥

Diesen Anspruch hat das Buch aber durchaus - nicht nur der Imagewechsel, auch das neue Alter der Protagonisten will eine neue, alte Zielgruppe an Land holen: Die jungen Erwachsenen, die mit der Knickerbocker-Bande aufgewachsen sind und sich nach einem Wiedersehen mit ihren Kindheitshelden sehnen. Ich gehöre zugegebenermaßen nicht dazu. Ich kannte die Knickerbocker zwar vom Hörensagen, hatte jedoch noch nie das Vergnügen, eines ihrer Bücher zu lesen. Für mich war der Einstieg in die mysteriöse Krimi-Welt von Lilo, Axel, Poppi und Dominik ein vollkommen neuer, ich musste die vier also von Grund auf neu kennen lernen. Und ich muss gestehen, dass ich mich damit deutlich schwer getan habe. Die Charaktere wirken relativ flach und haben wenig emotionale bzw. psychologische Tiefe, was nicht zuletzt auch am relativ spartanischen Schreibstil des Autoren liegt. Gerade zu Anfang konnte ich den ausschlaggebenden Streit der vier kaum richtig nachvollziehen, ich hatte nicht einmal ein richtiges Bild davon, wie alt die Charaktere nun wirklich sind. Auch wenn sie ganze 20 (!) Jahre älter werden - damit also geschätzt um die 30 sein müssen - ändert sich das Verhalten der Charaktere nur geringfügig. Sie sind vielleicht weniger kindisch und ungehalten, haben aber sonst mit einem normalen Erwachsenen nicht viel gemein. Es fehlen die komplexen Gedanken und Gefühle, die ein Mensch mit 30 nun mal hat, die Probleme eines erwachsenen Lebens und wie die Charaktere damit zurecht kommen. Stattdessen geht es beispielsweise darum, wer wann in wen "verknallt" war, und die vier Charaktere wirken, als seien sie nie ganz aus ihren Kinderschuhen rausgekommen. Während andere Jugendbuch-Autoren es meiner Meinung nach oft nicht schaffen, einen Jugendlichen nicht wie einen Erwachsenen denken und handeln zu lassen, hatte ich bei Brezina das Gefühl, dass er es nicht schafft, einen Erwachsenen NICHT wie ein Kind denken und handeln zu lassen. Nach über 550 veröffentlichten (Kinder)Büchern ist die Gewohnheit vermutlich einfach zu stark.

Schreibstil ♥♥♥

Mit dazu beigetragen, dass ich mit den Charakteren nicht so recht warm wurde, hat definitiv der einfache, geradezu spartanische Schreibstil, der das Buch beherrscht. Ich verstehe, dass man sich in einem Kinderbuch möglichst einfach und wenig präzise ausdrücken muss, dass die direkte Rede den restlichen prosaischen Beschreibungen überstellt bleiben sollte. Doch hätte es dem "Reboot" einer Serie, die versucht, erwachseneres Publikum anzusprechen, definitiv gut getan, hätte man sich mit den Beschreibungen, den Details, den Charakterzeichnungen mehr Zeit gelassen. Hier bleibt so gut wie alles der Fantasie des Lesers überlassen, wie die Charaktere aussehen, wie sie sich bewegen, wie sie denken, fühlen und handeln, das alles bleibt kurz und knapp, vieles sogar unerwähnt. Ohne ein richtiges Federkleid aus Worten bleiben die Charaktere dementsprechend schwach und erreichen den Leser nicht dort, wo sie ihn eigentlich erreichen sollten. Auch hier wagt sich der Autor nicht so richtig vor, er bleibt lieber bei seinem Patent-Rezept, statt sich selbst und seinen Schreibstil mal auf eine ganz andere Weise auf die Probe zu stellen. Die kurzen, knappen Sätze und einfachen, dafür deutlichen Beschreibungen tragen aber auf jeden Fall dazu bei, dass sich das Buch dementsprechend angenehm und leicht liest.

Handlung ♥♥♥

Die Handlung in "Alte Geister ruhen unsanft" ist in mehrere Teile aufgeteilt. Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung in die Abenteuer, die die vier Helden bereits in vergangenen Büchern erlebt haben - natürlich nicht alle, dafür sind es zu viele, aber ein paar wesentliche, die in diesem Buch wieder wichtig werden, erhalten einen kurzen Abriss, bevor sich die Knickerbocker Bande durch einen Streit für zwei Jahrzehnte ganz aus den Augen verliert. Mithilfe eines falschen Vorwands werden die vier dann, zwanzig Jahre später, zusammen auf eine Insel gelockt und gemeinsam dort festgehalten. Es folgt das für die Bücher wohl bekannte Rätseln, Knobeln und auch die obligatorischen Action-Szenen. Im Großen und Ganzen ist die Handlung schön spannend und von unvorhergesehenen Wendungen gespickt. Es ist sehr angenehm, dass Axel, Lilo, Poppi und Dominik eigens denken, gut kombinieren und die Lösung der Fälle nicht dem Zufall überlassen wird. Das Tempo zur Entschlüsselung der Geschichte ist dementsprechend auch für Erwachsene spannend, und es ist bewundernswert, dass Thomas Brezina nach so vielen Büchern noch immer nicht die Ideen für spannende Wendungen ausgehen. Das Ende hingegen war etwas mau im Vergleich zu den Erwartungen, die die Geschichte im Vorhinein im Leser evoziert: Dies lässt sich hinsichtlich der recht spannende Story jedoch ganz gut verschmerzen.

Gesamtwertung ♥♥♥

Ich gebe zu, ich hatte meine Probleme mit "Alte Geister ruhen unsanft". Ich hatte mich wirklich sehr auf das Buch gefreut - schließlich kannte ich Thomas Brezinas Werke bis dato nicht, hatte aber nur Gutes von meinen Freunden und aus der Presse gehört. Viele Leserinnen und Leser meines Alters kriegen bei seinem Namen einen ganz nostalgisch-verträumten Blick. Dass da die Erwartungen nur so in die Höhe schnalzen, ist also nicht verwunderlich. Alles in allem ist das neue Buch der Knickerbocker-Bande zwar durchaus spannend und solide konzipiert, lässt sich durch den einfachen Schreibstil wirklich locker und leicht lesen - doch die Zielgruppen-Verwirrung bzw. (man müsste eigentlich eher sagen) -Verfehlung lässt sich nicht so einfach wegstecken. Thomas Brezina schafft es nicht, über seine Kinderbuch-Gewohnheiten hinauszuwachsen. Und so bleibt der Schreibstil ein einfaches Aneinanderreihen von blanken Worten ohne viel Gefühl, die Charaktere bleiben kindlich, blass und fad und der Erwachsenen-Anspruch bleibt eigentlich vollends auf der Strecke. Hätte sich der Autor auch nur einmal damit auseinandergesetzt, was junge Erwachsene heute so alles lesen und wie ernsthaft die Themen für Jugendliche ab 16 bereits sind, hätte er vielleicht schnell gemerkt, dass das Konzept seines neuen Buches nicht so ganz ins Bild passt. Stattdessen wirkt es so, als hätte man vorsichtshalber den Fuß noch in der Kinderbuch-Tür gelassen, schließlich könnte es sein, dass die Jugendlichen und die Erwachsenen doch nicht so ganz anbeißen - und dann ließe sich das Buch immer noch bequem von Kindern unter 12 lesen. Fällt ja sowieso kaum auf, dass die Protagonisten bereits 30 Jahre alte, gestandene Menschen sind. Für einen nostalgischen Ausflug in die eigene Kindheit mag das vielleicht reichen, ich bezweifle jedoch, dass man es schafft, damit neue Leser der älteren Zielgruppe mit ins Knickerbocker-Boot zu holen. 



Vielen Dank an das Team von


für das Rezensionsexemplar!


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- Eure Bücherfüchsin

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