Donnerstag, 26. November 2015

[Rezension] Julia Dessalles: Rubinsplitter - Funkenschlag (1)

Rubinsplitter - Funkenschlag (1)

Autor: Julia Dessalles
Genre: Fantasy, Phantastik, Magie
Freigabe: keine
Erschienen: 20.08.2015
Seiten: 406
Einband: Taschenbuch
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1516869015
Preis: 3,99€ (eBook) / 10,70€ (broschiert)

Rating: 




Achtung: Ab Dezember 2015 wird Rubinsplitter - Funkenschlag sowohl als Taschenbuch, als auch als eBook im Drachenmond Verlag neu erscheinen!

Inhalt

"Das Überleben von Salvya, einer magischen Welt voll ungezügelter Phantasie, liegt in Rubys Hand. Ausgerechnet sie, Miss Unsichtbar, soll die Prinzessin aus der Prophezeiung sein und die finstere Herrscherin Thyra vernichten. Wäre da nicht Rockstar Kai mit seinen verdammten Kusslippen, hätte sie längst aufgegeben. Doch auf einmal überschlagen sich die fürchterlichen Ereignisse und die Rettung Salvyas wird für Ruby zur Herzensangelegenheit. Wird es ihr gelingen, den Funken zu zünden, der Salvyas Schicksal besiegelt?" - Quelle: Drachenmond Verlag



Cover  

Aufmerksam wurde ich auf Rubinsplitter - Funkenschlag gerade wegen seines unglaublich tollen Covers, das mir beim Scrollen durch Facebook direkt ins Auge gesprungen ist. Einmal gesehen, war meine Neugierde für die fantastische Geschichte sofort geweckt und ich setzte - nach einigen Nachforschungen wo und wie - "alle Hebel in Bewegung", dieses Buch so schnell wie möglich in meinen Händen zu halten. Die kunstvolle Gestaltung des Mädchengesichts, das - durch Rauch gezeichnet - in zwei chinesische Glücksdrachen übergeht, hat meinen Nerv für das Element Feuer und die asiatische Kultur genau getroffen und sieht, egal wie man es dreht und wendet, einfach atemberaubend aus. Am liebsten würde ich Rubinsplitter einfach den lieben langen Tag anstarren! - Schon allein deswegen hat das Cover 5/5 Punkten verdient. 

Charaktere  

Ruby: Unsere Protagonistin Ruby macht im Verlauf der Handlung eine unglaubliche Entwicklung durch. Während ich am Anfang irgendwie nicht so richtig warm mit ihr wurde, weil sie mir farblos, blass und charakterlos vorkam, verwandelte sie sich direkt vor meinen Augen in eine bunte, emotionsgeladene Knutschkugel, mit der ich mich einfach wunderbar identifizieren konnte. Wie überrascht ich im Nachhinein war, dass mein Empfinden, Ruby sei ein blasser Charakter, absolut gewollt war und im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden konnte, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Ich empfand es als eine großartige erzählerische Leistung, sie - als Protagonistin - für den Leser genauso zu zeichnen und auszuformen, wie sie auch von den anderen Charakteren drumherum wahrgenommen wird! Als ich endlich dahinter kam, konnte ich mich besonders gut in sie hineinversetzen und die Geschichte aus nächster Nähe erleben. Denn wer stolpert nicht gern in eine fremde, bunt-fantastische Welt und stellt dann fest, dass es genau dieser Ort ist, nach dem man sein ganzes Leben lang gesucht hat? Das Einzige, was mich daran ein bisschen gestört hat, war die Tatsache, dass Ruby tatsächlich nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, in ihre bisherige Welt zurückzukehren. Dass sie kein Heimweh hat ist - in Anbetracht ihrer 'Herkunft' durchaus erklärlich -, aber dass ein Teenager nicht ein einziges Mal an seine Eltern denkt, wenn er mit zwei 'betrunkenen' Rocker-Drachen in eine völlig fremde Welt gerät und dort, trotz der Tatsache, dass sie sich die meiste Zeit schlecht behandelt fühlt, bereitwillig mehrere Tage zubringt, ohne auch nur an Zuhause zu denken, das kam mir ein bisschen unnatürlich vor. Ansonsten habe ich Ruby als Charakter sehr genossen!   

Kai: Ach Kai! Meine Gefühle für ihn waren etwa so zwiegespalten, wie die Zunge einer salvyanischen Zuckerschlange. Zu Anfang der Geschichte hätte ich ihn für sein unverschämtes Verhalten ständig Ohrfeigen können! Einerseits führt er sich einfach auf wie das letzte Kind auf Erden, schmollt und tobt, ist kindisch und leidet an einer chronischen Gummibärchensucht - andererseits ist er ein verdammter Badboy mit tollen Sprüchen und einer so lässigen Art, die mich einfach wünschen lässt, ich wäre Ruby. Und so ging es unserer Protagonistin sicherlich auch die ganze Zeit, bloß, dass sie sich von Kai - aus unerklärlichen Gründen - ganz schön viele Gemeinheiten gefallen lassen muss. Aus einem Grund, den er selber noch nicht einmal nennen kann, empfindet Kai für Ruby nämlich von Anfang an eine ungewöhnliche Hassliebe, die ihn dazu bringt, sie von sich stoßen zu wollen, sie auf der anderen Seite aber am liebsten nie wieder gehen lassen würde. Zu allem Überfluss hat der Junge mit den giftgrünen Haaren noch ganz andere Probleme wegzustecken, die nicht zuletzt mit seiner schlimmen Vergangenheit und seinen magischen Kräften zu tun haben. Im Grunde habe ich Kai das eine Drittel der Geschichte gehasst, das zweite Drittel habe ich ihn vergöttert und das dritte und letzte Drittel habe ich ihn bemitleidet - bloß nicht genau in dieser Reihenfolge. Ob und wie ihr Kai findet, das müsst ihr natürlich selbst herausfinden - ich kann sagen, dass er mehr als nur eine Emotion in mir gereizt hat und dafür kann ich ihn eigentlich nur bewundern!

Amygdala: Amy ist für Kai so etwas wie ein Mutterersatz und gleichzeitig eine gute Freundin, denn sie hat sich lange Zeit um ihn und seinen besten Kumpel Ali gekümmert. Die Fünfunddreißigjährige mit der Fähigkeit, ihr Alter nach Belieben zu verändern, ist ein unglaublich heiterer, sympathischer Charakter, der im Laufe des ersten Bandes leider viel zu wenig vorkommt. Sie ist diejenige, die Ruby findet, sie erkennt und dazu bringt, in ein magisches Auto zu steigen, das sie an den Ort bringen soll, an den sie rechtmäßig gehört. Alles, was ich von Amygdala im ersten Teil der Buchreihe gelernt habe ist, dass sie von allen Charakteren der witzigste und phantasievollste ist. Immer habe ich gehofft, dass sie Ruby jederzeit als gutherzige Erklärbärin zur Seite steht, aber leider kam doch dann alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich wünsche mir mehr Amygdala! Jetzt!

Schreibstil  

Der Schreibstil von Autorin Julia Dessalles ist anders, anders jedoch im positiven Sinne: Sie schreibt unglaublich fantasievoll und bunt - man könnte fast meinen quietsch-bunt - und schafft neue Welten, neue Wesen und neue Ideen wie aus der hohlen Hand, sodass ich mir eigentlich nur zu gern einen Blick in ihren Kopf wünsche, um zu sehen, welche Schätze sie dort noch verborgen hält. Hinzu kommt eine entzückende Prise Humor, die mir jede noch so langweilige U-Bahn-Fahrt zur Arbeit gezuckert und versüßt hat. Während ich mich regelmäßig beim Schmunzeln, ja sogar Grinsen, erwischt habe, weiß ich auch, dass ihr Humor möglicherweise nicht für jeden gleichermaßen zugänglich ist. Wenn man nicht selbst eine quietsch-bunte, kindlich-fantasievolle und hoffnungslos-romantische Seite oder ein inneres Kind hat, das ab und zu mal Ausgang braucht, könnte man mit Julia Dessalles Humor oder ihrer Art zu schreiben anecken, ja, sie vielleicht als zu 'kindisch' oder nicht ernst genug verstehen. Auch zeichnet sich ihr Schreibstil durch ein rasantes, manchmal gehetztes Erzähltempo aus, was immer wieder mal dazu geführt hat, dass ich das Gefühl hatte, mir würden wichtige Informationen fehlen, die mir dabei helfen könnten, das Geschehen detailgenauer vor meinem inneren Auge erscheinen zu lassen. Dieser fehlende Detailgrad kann einerseits störend, andererseits herausfordernd sein, je nach dem wie fantasievoll man selbst ist. Mehr als einmal fiel es mir schwer, dem Geschehen zu folgen, während andere Stellen ganze Kinofilme in meinem Kopf verursachten. Ich würde mir für die Zukunft ein bisschen weniger Tempo und ein bisschen mehr Detailgrad wünschen, um noch tiefer in die Geschichte eintauchen zu können!

Handlung  

'Bunt' und 'ausgefallen' sind die ersten Adjektive, die mir zur Rubinsplitters Handlung einfallen. Ruby, die etwas molligere (wobei man nie wirklich erfährt ob sie nun wirklich mollig ist oder nur glaubt, mollig zu sein), an Selbstbewusstsein kränkelnde Schülerin, die für beinahe jeden in ihrem Umfeld unsichtbar ist, findet sich eines Tages als Security auf einem Rockkonzert wieder, wird von einer verrückten alten Frau im Minirock entführt und ... ach was sage ich, lest es selbst! Die Geschichte strotzt vor verrückten Ideen und einem verschmitzten Augenzwinkern, ist spannend, romantisch und witzig zugleich. Der Fokus liegt dabei sehr stark auf der stets wechselnden Beziehung zwischen Kai und Ruby, die einerseits nicht mit, andererseits aber auch  nicht ohne einander auskommen. Die action-geladenen Szenen (bis auf die epische Endszene) waren mir persönlich manchmal ein bisschen zu schnell vorbei, sodass ich, was Spannung angeht, nicht richtig in Fahrt gekommen bin. Das ist allerdings verzeihlich, denn, wenn man eine neue Welt erschafft, dann will diese erstmal richtig vorgestellt und eingeführt werden. Für den nächsten Band würde ich mir vielleicht einen Almanach der Salvyanischen Wesenheiten und vielleicht eine Karte wünschen, um noch mehr dieses 'Fantasy-Feeling' zu bekommen und richtig in Salvya eintauchen zu können. Dahingehend hat sich der erste Teil der (insgesamt vierteiligen?) Reihe wie eine langsame Einführung in die eigentliche Geschichte angefühlt. Ich bin gespannt, was noch kommt!

Gesamtwertung 

Wie eben schon gesagt, hatte der Auftakt der Rubinsplitter-Reihe den Charakter einer - zugegeben rasanten - Einleitung in etwas viel Größeres. Charaktere, Kreaturen und Orte werden eingeführt, das System der speziellen 'Magie', die in Salvya herrscht werden dem Leser verständlich gemacht, der genau wie Ruby erst lernen muss, was es heißt, Teil von Salvya zu sein. Besonders gut hat mir die Entwicklung der Hauptperson gefallen, die im Laufe der Geschichte nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihren Ursprüngen zurückfindet, was ihr ungemein an Kraft gegeben hat. Rubinsplitter hat mich beim Lesen einfach ungemein glücklich gemacht, mir stetig ein Lächeln entlockt, hat sich aber Alles in Allem ein wenig zu schnell und zu wenig fassbar angefühlt. Bisher habe ich das Gefühl, die magische Welt nur an der Oberfläche gekratzt zu haben und eigentlich noch nicht so recht zu wissen, wo die Reise eigentlich hinführt - das eher 'abgehackte' Ende unterstützt das ein bisschen. Andererseits kann ich es auch kaum erwarten, nach Salvya zurück zu kehren, mehr zu erfahren, die liebenswürdigen Charaktere wiederzutreffen und meine eigene Fantasie tatkräftig beim Lesen mit in die Geschichte einfließen zu lassen. Ich bin mehr als gespannt auf das, was noch kommt und glaube, es wird sogar noch besser, als das, was Rubinsplitter - Funkenschlag und hier schon liefert!



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- Eure Bücherfüchsin