Montag, 30. November 2015

[Rezension] Dominique Stalder - Der Wanderer. Die Schamanin (1)

Der Wanderer - Die Schamanin (1)

Autor: Dominique Stalder
Genre: Darkfantasy
Freigabe: keine
Erschienen: 20.11.2015
Seiten: 89
Einband: eBook
Verlag: SadWolf Verlag
ASIN: B018DXFND4
Preis: 2,99€

Rating: 


Inhalt

"Ohne Erinnerung und Kleider erwacht der Wanderer am Strand. Fragen über Fragen verfolgen ihn. Bald findet er Obdach bei der Schamanin Drakatia, die seine Fähigkeiten erkennt. Sie lehrt ihn, wie er die Magie des Feuers beherrschen kann und spinnt dabei ihre eigenen Netze. Zusammen mit dem Mädchen Myrael leben die drei inmitten eines Sumpfes, bis zu dem Moment, in dem Drakatia eröffnet, dass sie in Kürze ein wichtiges Ritualvollziehen wird. Merkwürdige Dinge geschehen darauf. Die von Angst getriebene Myrael ahnt Schlimmes und der Wanderer beobachtet Absonderliches. Nur drei Tage hat er Zeit, um hinter das Mysterium des Rituals zu kommen. Dochdie Wahrheit und ihre Folgen sind schlimmer, als er je erwartet hätte …" - Quelle: Verlag


Cover  

Ich muss gestehen, auf den ersten Blick empfand ich das Cover von der Wanderer als unscheinbar, eben weil es nicht mit übertrieben knalligen Farben aus der Masse noch knalligerer Farben heraussticht, sondern sich mit seiner Düsterkeit hinter einer eher bescheidenen, angenehmen Farbgebung verbirgt. Erst bei genauerem Hinsehen eröffnet sich dem Betrachter die eigentliche Schönheit und Detailgenauigkeit des Covers, das nicht nur meine Lieblingsfarbe Türkis als zweites Grundthema trägt, sondern auch die Charaktere haar genau so darstellt, wie ich sie mir vorgestellt habe. So etwas Passendes habe ich lange nicht erlebt! Aber die meisten Cover heutzutage trauen sich auch gar nicht mehr, ihren Lesern die Vorstellung der Figuren vorweg zu nehmen. Normalerweise stehe ich dem Ganzen kritisch gegenüber - hier stört es mich gar nicht, einfach, weil die Ausführung stimmt. Einzig und allein die Darstellung von Myrael, der Figur links, gefällt mir nicht so gut, sie wirkt ein bisschen aufgebläht und zu wenig filigran für den Charakter, den sie darstellen soll. Ansonsten ein wirklich schönes Cover.

Charaktere  

Haric: Unser Protagonist Haric wacht eines düsteren, verregneten Tages ohne Kleidung an einem ihm unbekannten Strand auf und stellt fest, dass er weder weiß, wer er ist, noch, wo er herkommt oder wo er sich gerade befindet. Gerade diese undefinierbare Leere, die ihn sowohl für sich selbst, als auch für den Leser wie ein unbeschriebenes Blatt wirken lässt, macht es schwierig, ihn überhaupt zu definieren oder zu charakterisieren. Ich wurde ehrlich gesagt nur sehr schwer warm mit ihm, besonders weil er sich die meiste Zeit eher unscheinbar, unterwürfig und zurückhalten verhält, was es mir schwer gemacht hat, ihn als 'Helden' der Geschichte so richtig wahrzunehmen. Erst am Ende des Buches, im Angesicht der Gefahr und der Bedrohung einer ihm sehr wichtigen Person, wächst er über sich selbst hinaus und zeigt endlich das, was ich die ganze Zeit an ihm vermisst habe: Rückrat. Endlich, dachte ich, endlich machst du den Mund auf, Haric und zeigst, was in dir steckt! Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass der gute Mann und ich in den kommenden Teilen besser miteinander auskommen werden.    

Drakatia: Ganz anders erging es mir da mit der Titel gebenden Schamanin, Drakatia, die mich von der ersten Sekunde ihres Erscheinens in ihren Bann geschlagen hat. Ihre bissige, tempramentvoll und zugleich amüsiert-überhebliche Art, Haric und Myrael zu begegnen, traf genau meinen Geschmack dessen, wie eine starke Frau zu sein hat. Sie weiß was sie will, setzt ihren Willen durch und scheut nicht davor zurück, sich das zu nehmen, was ihr (in ihren Augen) zusteht. Ich habe jede einzelne Konversation zwischen ihr und den beiden anderen Charakteren genossen und war besonders von ihrem Geheimnis fasziniert, das sich dem Leser nach und nach offenbart. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, von dem man lange nicht weiß, ob er Freund oder Feind ist. Sehr schön!

Myrael: My ist wohl das, was man in der englischen Literaturtheorie eine "damsel-in-distress" nennen würde. Sie ist zart, herzlich, wunderhübsch und dabei beinahe zerbrechlich. Sie ist genau die Art von Charakter, die ich mich (und die Literaturwissenschaft) schon immer fasziniert hat, aber gleichzeitig dem Risiko unterliegt, vorhersehbar und langweilig zu sein. Myrael ist das nicht. Tatsächlich bringt sie mit ihrem mysteriösen, angstvollen Verhalten genau die richtige Portion Spannung in die Geschichte, die andernfalls schmerzlich gefehlt hätte. Ich mochte die Darstellung ihrer Beziehung zu Haric, deren Basis eine ganz zarte, unscheinbare Blüte der Zuneigung ist, die jederzeit zu zerbrechen droht. Lediglich ihre ewige Unzugänglichkeit und ihr stures Schweigen gegen Ende hin, trieb mich beinahe in den Wahnsinn und ist für mich die einzige Schwäche, die ich an ihrem Charakter erkennen kann.

Schreibstil  

Grundsätzlich hat mir Dominique Stalders Schreibstil ganz gut gefallen. Er ist detailliert und kunstvoll, sieht sehr stark von Umgangssprache ab, was für das Darkfantasy-Genre nur gut und üblich ist. Seine Sprache ist wirklich sehr schön, bedient sich dabei einer malerischen Kraft, kommt mir an ein paar wenigen Stellen bei bestimmten Formulierungen jedoch noch etwas unbeholfen vor, was sich vor allem an bestimmten Worten und Redewendungen abzeichnet, die er immer wieder gerne benutzt. Als besonders gelungen empfand ich die Darstellung der verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Haric und den beiden Frauen, Myrael und Drakatia, die unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Klischeehaft ist hier nichts! Ein großer Störfaktor waren für mich jedoch die seitenlangen Innensichten des Hauptcharakters, deren Existenz an sich nichts Schlechtes ist, sie sich jedoch derart in Wiederholungen und ellenlangen Beschreibungen irrelevanter Handlungen und Gedankengänge verliert, dass es mir manchmal schwer fiel, ganz bei der Sache zu bleiben.

Handlung  

Bei Der Wanderer - Die Schamanin handelt es sich ganz klar um den Auftakt einer mehrteiligen Fantasyreihe und bildet mit seinen ca. 100 Seiten keinen ganzen, vollwertigen Roman, sondern soll den Leser langsam in Thematik und Handlung der kommenden Bücher einführen. Behält man diese Tatsache im Auge, versteht man das Konzept der Handlung leichter. Für mich persönlich hat es genau diesen Zweck erfüllt: Es hat mir Lust gemacht auf mehr und mich in dem Drang zurückgelassen, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Leider hat mich die Handlung jedoch erst gegen Ende des Buches gepackt, denn die durch die seitenweisen Innensichten des Hauptcharakters las sich die Geschichte manchmal zäh und fühlte sich unnötig in die Länge gezogen an. Die wirklich wesentlichen Stellen waren jedoch spannend gemacht und regten zum Weiterlesen an, wurden aber auch hier zum Teil sehr stark ausgereizt. Man muss diese Form des sprachlichen Detailreichtums mögen, andernfalls kann  man sich leicht darin verheddern und steckenbleiben. 

Gesamtwertung 

Alles in Allem war Der Wanderer - Die Schamanin für mich ein gut gelungener Anfang für etwas noch viel Größeres. Auch, wenn ich mit Haric in diesem Teil der Geschichte noch nicht so richtig warm werden konnte, so bin ich doch überzeugt davon, dass er sich spätestens mit der Suche nach seiner wahren Identität so formen wird, dass er auch für mich an Substanz gewinnt. Für die kommenden Teile wünsche ich mir, dass Harics Innensichten erhalten bleiben, sich vielleicht in Zukunft aber eher auf das Wesentliche beschränken. Es herrscht ein schmaler Grad zwischen Detailverliebtheit und Schwafelei, denn man darf nie vergessen, dass auch der Leser nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den nächsten Teil, denn ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Geheimnisse und Abenteuer noch auf den Wanderer warten - denn Dominique Stalders hier abgezeichneter Ideenreichtum hat definitiv großes Potential!



Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action


- Eure Bücherfüchsin
 

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