Freitag, 13. Mai 2016

[Rezension] Anna Moffey: Der Nebelring - Die Magie der Silberakademie (2)

Nebelring - Die Magie der Silberakademie (2)

Autor: Anna Moffey
Genre: Abenteuer, Jugendbuch, Fantasy
Erschienen: 17.01.2016
Seiten: 333
Einband: eBook, Taschenbuch
Verlag: /
ISBN-10: 1523264519 
ISBN-13: 978-1523264513
Preis: 12,31€ [Taschenbuch] | 2,99€ [eBook]

Rating: 

Inhalt

"Silbermagie zu studieren ist ein großes Privileg... doch Zoe Craine betritt die Akademie mit dem Wissen, dass man ihr die Schuld für den Aufstand gegen den Nebelring gibt. Der Hass der Studenten macht sie zur Außenseiterin. Zunächst ist Zoe die einsamste Studentin der Silberakademie, doch dann findet sie unerwartete Verbündete: die zurückhaltende Präsidententochter Michaena und Bess' jüngeren Bruder Lupa. Gemeinsam stoßen sie auf Experimente von grenzenloser Brutalität." - Quelle: Amazon


Cover  

Wer meinen Blog verfolgt, wird sicherlich schon darauf gekommen sein, dass ich eine große Leidenschaft für Füchse und auch für die Farbe rot habe - und, dass ich schon bei Annas Nebelring - Das Lied vom Oxean vom Cover absolut hingerissen war. So geht es mir diesmal auch. Man merkt an der Farbgebung des Bildes sehr deutlich, dass sich auch an der Geschichte dahinter so einiges verändert hat: Die Farben sind dunkler, flammender und intensiver, so wie sich Zoes Situation langsam zuspitzt. Der Fuchs ist kleiner, tritt in den Hintergrund, bildet aber trotzdem immernoch den Mittelpunkt der Geschichte - diesmal sitzt er auf dem Nebelring und befindet sich nicht, wie im Teil davor, darunter. Der Fuchs Oxean kommt diesmal also direkt mit dem Nebelring in Berührung und schaut hinauf zu der Kuppel, die ihn und die Akademie der Silbermagier unter den tonnenschweren Wassermassen eines Sees einschließt. Beide, das Mädchen und der Fuchs sind einander zugewandt, verschmelzen nicht mehr, wie sie es in Band eins noch getan haben, schauen aber in die selbe Richtung und sind sich dabei nicht feindlich gesinnt. Wie genau man das nun mit dem Inhalt des Buches verbinden kann, muss jeder für sich selbst entscheiden, sobald er es gelesen hat. Ich liebe es, wie Zoes Haare durch einen fuchsroten Schleier ersetzt wurden und sie damit mit der brennenden Umgebung so halb verschmilzt. Ich könnte das Cover stundenlang anstarren und es würden mir wahrscheinlich noch 10.000 Dinge einfallen, die ich dazu sagen kann, doch ich belasse es jetzt mal bei einem verträumten 'Man-ist-das-schön!'

Charaktere  

Zoe: Ich bin immer wieder überrascht von Zoe. Gegen ihren Willen wurde sie im ersten Teil des Buches das Aushängeschild für eine Revolution, mit der sie eigentlich gar nicht so viel zu tun haben möchte. Seither sind viele schlimme Dinge passiert und ich liebe es, wie sie sich trotz alledem noch immer tapfer hält, eingeschlossen an einem Ort, der ihr nur schlechtes wünscht, immer wieder den Mut und die Kraft aufbringt, ihren Missgönnern die Stirn zu bieten. Gleichzeitig ist sie absolut menschlich gezeichnet: Natürlich geht ihr all das sehr nah und natürlich muss sie den ein oder anderen Nervenzusammenbruch oder Heulkrampf hinter sich bringen, um dann wieder die Schultern zu straffen und weitermachen zu können. Manch einem Leser hat sie im zweiten Teil der Reihe Nebelring - Die Magie der Silberakademie etwas zu viele Tränen vergossen, doch ich persönlich finde jede einzelne von ihnen vollkommen berechtigt und psychologisch verständlich. Zoe ist eine von uns. Sie ist ein normales Mädchen mit normalen Wünschen, normalen Ängsten und einem Schicksal, das sie sich selbst nicht ausgesucht hat. Ich konnte mich wirklich gut in sie hineinversetzen und war auch diesmal wieder von ihrer Individualität und ihren eigenständigen Entscheidungen so beeindruckt, dass ich eigentlich nur mit ihr mitfiebern konnte. Ein wenig unverständlich fand ich jedoch ihren Sinneswandel gegen Ende des Buches: Sie liebt ihren Vater über alles und fürchtet um ihn, will ihn befreien und schützen um jeden Preis - und plötzlich steht sie über dieses Dilemma vollkommen drüber. Vielleicht ist ihr Sinneswandel eine logische Konsequenz aus den vorangehenden Geschehnissen, trotzdem kam er in meinen Augen so plötzlich, dass er wiederum nicht ganz nachvollziehbar war. Auch hätte ich mir gewünscht, dass sie im Verlauf der Handlung aktiver wird, dass sie anfängt darüber nachzudenken, wie sie es schaffen könnte, zu fliehen und gleichzeitig ihren Vater zu befreien. Ja, sie wird von mehreren Seiten bedroht, aber ich hatte das Gefühl, dass sie sehr schnell den Kopf in den Sand gesteckt hat, was ihre eigene Freiheit angeht. 

Lupa: Bess Bruder mit dem merkwürdigen Hut, der fröhlichen Art und dem Hang, jedem auf die Nase zu hauen, der seinen Freunden dumm kommt, hat mein Herz im Sturm erobert. Lupa ist einfach ein perfekter, verwirrter, liebenswerter Charakter, der für seine Freunde jedes Risiko auf sich nehmen würde, wenn er ihnen damit irgendwie helfen kann. Ich hätte ihn gern häufiger in Aktion erlebt, leider taucht er für meinen Geschmack etwas zu selten auf, schafft es dann aber, jede noch so unangenehme Situation aufzulockern. Er bringt eine Komponente in die Handlung, die Zoe so ein bisschen fehlt: Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass alles irgendwann gut wird.

Kurk: Mein Gott, was habe ich diesen Charakter verabscheut. Der arrogante, nervige, unheilbringende Greifer - nagut, nicht ganz so schlimm wie Quen, das muss ich zugeben -, der immer dann auftaucht, wenn man ihn am wenigsten braucht, um Zoe auf den Zeiger zu gehen. Er tut alles, um ihr den Aufenthalt an der Silberakademie möglichst schwer zu machen und bringt sie mit seiner fanatischen Fixierung auf sie sogar in Lebensgefahr. Dinge wie die, die er tut, tut man nur denjenigen Menschen an, denen man das schlimmste an den Hals wünscht. Und trotzdem scheint er nach eben diesem lebensgefährlichen Vorfall wie ausgewechselt, scheint gar nicht mehr der zu sein, den man in ihm zu sehen glaubte. Dieser 180° Sinneswandel, der da mit ihm vonstatten geht, war für mich ein bisschen unglaubwürdig. Es ging zwar nicht zu schnell, dafür aber zu abrupt, um echt zu sein - wirklich, ich habe die letzte Hälfte des Buches damit verbracht, auf der Lauer zu liegen, ob Kurk nicht plötzlich doch seine Meinung ändert. Ich vertraue ihm bis heute nicht. Verrückterweise vertraue ich in diesem Teil der Reihe auch Bess nicht mehr - warum, ist eine andere Geschichte. Diese Unwissenheit, ob und wie ehrlich die Menschen um Zoe herum wirklich sind, tragen eine so hohe psychologische Spannung in sich, dass sie den Leser vollkommen gefangen nimmt. 

Schreibstil  

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Teil der Nebelring-Saga, muss ich die Autorin auch diesmal wieder in höchsten Tönen loben: Anna Moffey schafft es, mit wenigen Worten und einem einfachen, geradlinigen Schreibstil Welten zu eröffnen, die so manch einem Literat verwehrt bleiben. Es ist ein unglaubliches Talent viel mit möglichst wenig Mitteln auszudrücken und ich finde, die Autorin hat dieses Talent einfach in die Wiege gelegt bekommen. Schon nach ein paar Zeilen hat der Leser eine so genaue Vorstellung von den Charakteren, der Szenerie und der Umgebung, dass er leicht vergisst, sich nicht in einem guten Film, sondern in einem Buch zu befinden. Die Charaktere wirken alle so präzise und individuell gezeichnet, dass keiner von ihnen flach oder uninteressant wirkt: Sie haben alle ihre Wünsche, Träume, Ängste und Intentionen, die in die einzelnen Dialoge und Handlungen einfließen, sodass man bald das Gefühl hat, mit Zoe in einem einzigen Netz menschlicher Gefühle festzustecken. Ich finde, Anna Moffey ist eine der feinfühligsten Autorinnen, die ich kenne, mit einer wunderbaren Beobachtungsgabe und einer noch strahlenderen Fantasie. Gleichzeitig überlässt sie dem Leser auch viel Raum, seine eigene Fantasie in die Geschichte mit einzubringen: Nicht alles wird bis ins Detail erklärt oder beschrieben, was so manchem Leser Schwierigkeiten bereiten könnte, sich in der Welt des Nebelrings zurecht zu finden. Ich genieße die Freiheit, die sie mir lässt, weiß aber auch, dass sie nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Handlung  

Die Handlung von Nebelring - Die Magie der Silberakademie hat mir bei Weitem nicht so gut gefallen wie die des ersten Teils. Die erste Hälfte des Buches tauchen wir mit Zoe in die Welt des Nebelrings ein - die genau andere Seite zu der, die wir schon kennen. Doch ihr sind die Hände gebunden, denn der Nebelring hat die Gewalt über den Menschen, der ihr am wichtigsten ist, weshalb sie versucht, so gut es geht einen Alltag zu bestreiten. Dabei versucht sie möglichst, Anfeindungen stand zu halten und ihr Ding durchzuziehen: Drei Jahre lernen hinter sich bringen und dann ab dafür. Natürlich passieren immer wieder Dinge, die die Spannung aufrecht erhalten und die Informationen, die man dabei über die Welt und das Malwee sammelt, sind unglaublich interessant und wahrscheinlich auch wichtig für den weiteren Handlungsverlauf. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sich die erste Hälfte des Buches zog, ich hatte große Probleme, in die Handlung reinzukommen, einen Orientierungspunkt zu finden und mich mit Zoes neuer Situation abzufinden - die mir absolut nicht geschmeckt hat, aus der sie sich selbst aber eine gefühlte Ewigkeit lang nicht selbst befreien kann oder will. Als die Geschichte dann gegen Ende hin so richtig ins Rollen geriet, konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen. Scheinbar aussichtslose Situationen, rasante Wendungen, ... es war ein Fest für die Sinne! Bloß hätte ich mir den "letzten Showdown", die letzte dramatische, spannende Szene, bevor das Buch dem Ende zustrebt, etwas actionreicher, vielleicht sogar etwas "brutaler" gewünscht - es ist so plötzlich vorbei und man wird das Gefühl nicht los, dass Zoe noch viel mehr hätte reißen können, wenn sie sich nur getraut hätte. Spannend - absolut! Nur hat mir noch der letzte, entscheidende Kick gefehlt, der am Ende des ersten Teils definitiv vorhanden war!

Gesamtwertung 

Der erste Teil der Nebelring-Saga hat mich bis ins Detail begeistert, die Charaktere, die Handlungen, die Beschreibungen und vor allem die Idee: Alles hat gestimmt. Im Vergleich dazu fällt der zweite Teil etwas ab, was nicht am Schreibstil der Autorin oder den unglaublich liebenswerten Charakteren liegt, sondern viel mehr an der Handlung. Die erste Hälfte zog sich vergleichsweise in die Länge, Zoe wirkt an manchen Stellen unangenehm passiv, obwohl der Leser sich nichts lieber wünscht, als dass sie über sich hinauswächst und beginnt, gegen die ihr so verhassten Umstände zu rebellieren. Wenn ich genauer darüber nachdenke, weiß ich glaube ich, was mir am Ende, dem finalen Showdown, so wirklich gefehlt hat: der "Endgegner". Klar, Zoe hat Feinde - und das nicht zu knapp - aber mein Lieblings-Ober-Schmieri-Fiesling aus Nebelring Band Eins bleibt bedauerlicherweise diesmal etwas im Hintergrund. Seine Vertretung schafft es nicht wirklich, an ihn heranzukommen. Aber ich bin mir sicher: Er plant etwas... und er wird Zoe im nächsten Band so richtig schön die Hölle heiß machen. Oder andersrum? :) Nichtsdestotrotz ist Nebelring - Die Magie der Silberakademie ein gelungene und auch spannende Fortsetzung, die viel Einblick in die Welt und ihre Geschichte gibt. Es werden neue, unsagbar sympathische Charaktere eingeführt, die nochmals eine ganz andere Dimension der Handlung ermöglichen. Denn wir wissen jetzt aus erster Hand, was der Nebelring so treibt. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln. Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Teil in meinen Händen zu halten!

Und hiermit sende ich eine Nachricht in die Welt des Nebelrings, ich hoffe Zoe trägt sie weiter: 
ICH LIEBE DICH ESELMANN!! <3

Danke! 



Spannung
Romantik
Humor
Gewalt
Action

- Eure Bücherfüchsin